Anlageausblick April 2021

Das globale Wachstum, das im Winter durch neue COVID-19-Wellen gebremst wurde, wird weiter anziehen. Neue Viruswellen sind kurzfristig ein Risiko. Besseres Wetter und Impfungen dürften jedoch dazu beitragen, die Pandemie im Laufe des 2. Quartals zurückzudrängen.

In der folgenden Tabelle stellen wir unsere Sicht auf die wichtigsten Anlageklassen dar:

Übersicht Marktmeinungen

 sehr unattraktivunattraktiv        neutral               attraktiv         sehr attraktiv    
 
Festverzinsliche     
  Staat     
  Unternehmen     
  Hochverzinsliche     
  Schwellenländer     
  Wandler     
 
Aktien     
  Vereinigte Staaten     
  Eurozone     
  Grossbritannien     
  Schweiz     
  Japan     
  Schwellenländer     
 
Wechselkurse     
  EURUSD     
  USDCHF     
  EURCHF     
  Schwellenländer     

Die Begriffe attraktiv / unattraktiv beschreiben das Renditepotenzial der verschiedenen Anlageklassen. Eine Anlageklasse gilt als attraktiv, wenn ihre erwartete Rendite über der lokalen Cash-Rate liegt. Sie gilt als unattraktiv, wenn die erwartete Rendite negativ ist. Sehr attraktiv / sehr unattraktiv bezeichnen die Einschätzungen des BENDURA Anlagekomitees mit der höchsten Überzeugung. Der Zeithorizont für diese Einschätzungen beträgt 3-6 Monate.

Festverzinsliche

Staatsanleihen

Wie von uns erwartet, hat der Aufwärtstrend der Renditen nominaler Staatsanleihen zuletzt nachgelassen. Ausserdem könnte sich die Renditekurvendynamik in den USA nach dem steilen Anstieg im 1. Quartal etwas weiter verlangsamen, da die positiven Erwartungen für die US-Wirtschaft bis zu einem gewissen Grad bereits eskomptiert sind. Immerhin nimmt der Markt Zinserhöhungen der Fed um fast 90 Basispunkte in den nächsten drei Jahren vorweg. Die Fed konzentriert sich jedoch nicht auf die Erwartungen, sondern auf die Ergebnisse der Wirtschaft. Daher dürften die Straffungserwartungen nicht weiter in die Höhe geschraubt werden, sodass der Renditeanstieg in der nächsten Zeit nachlassen könnte. Bei der USD Duration gehen wir deshalb zurück auf Benchmarkniveau. Die US-Inflationserwartungen dürften jedoch vom aktuellen Niveau aus noch etwas steigen. Da die anderen industrialisierten Regionen dem gleichen reflationären Thema folgen, wenn auch mit einer gewissen Verzögerung, bleiben globale Staatsanleihen unseres Erachtens insgesamt unattraktiv.

IG-Unternehmensanleihen

Die Risikoprämien (Spreads) von Anleihen mit Investment-Grade-Rating (IG) verharren auf historischen Tiefständen und bieten unserer Meinung nach keine ausreichende Kompensation für die Risiken, insbesondere im Hinblick auf einen weiteren Anstieg der Benchmarkrenditen. Aufgrund des grösseren Angebots und der begrenzten Mittelflüsse angesichts der steigenden Staatsanleihenrenditen erkennen wir bei IG-Werten kurzfristig einen gewissen Druck zur Ausweitung der Spreads. Mit Blick auf die mittelfristigen Risiken könnte die von der Regierung Biden vorgeschlagene Anhebung der Unternehmenssteuer in den USA und die Besteuerung ausländischer Gewinne IG-Anleihen zusätzlich belasten, da diese Instrumente von den internationalen Einnahmen beeinflusst werden. Andererseits könnten IG-Anleihen bestimmter US-Versorger und binnenorientierter Telekommunikations-unternehmen von Bidens jüngstem Infrastrukturplan profitieren und Renditevorteile sowie eine Durationsdiversifikation bieten. Bevorzugte Kreditbereiche: (1) IG-Anleihen von Versorgern, (2) inlandsorientierten Telekommunikationsunternehmen und (3) Hybrid Anleihen.

High-Yield-Anleihen

Bei globalen HY-Anleihen halten wir die Spreads ebenfalls für teuer an. Auch sie bieten keine ausreichende Kompensation für das Risiko höherer Benchmarkrenditen. Ein Ausweitungsdruck auf die Spreads könnte durch restriktivere Finanzierungsbedingungen bzw. Regulierungsbestimmungen oder einen allgemeinen Vertrauensverlust hinsichtlich der Fähigkeit der Zentralbanken hervorgerufen werden, ihre extrem expansive Geldpolitik fortzusetzen. Eine unerwartet schleppende Konjunkturerholung könnte zu weiteren Herabstufungen durch Ratingagenturen und zu einer längeren Phase mit sehr grossen Differenzen führense. Bevorzugte HY-Bereiche: Coco-Bonds.

Emerging-Market-Anleihen

Wir erachten Anleihen von Schwellenländeranleihen in Hartwährungen absolut betrachtet weiterhin als attraktiv. Positiv ins Gewicht fallen die jüngsten Veränderungen der fundamentalen Bedingungen und die Verbesserung von technischen Faktoren. Dazu zählen zum Beispiel die deutliche Reduzierung der Positionierung und das geringere Angebot. Die Region EEMEA (europäische Schwellenländer, Naher Osten und Afrika) bleibt unser Favorit.

Ausgewählte Indices Festverzinslicher, YTD. Quelle: Bloomberg

Aktien

Fundamental beurteilen wir globale Aktien weiterhin als attraktiv. Wir sind nach wie vor der Ansicht, dass die Aktienmärkte attraktive mittelfristige Ertragsaussichten bieten. Dies wird durch die insgesamt vorteilhaften Aussichten für das Wachstum und die Geldpolitik gestützt. Die starken Kursgewinne der letzten Zeit wurden jedoch vom wachsenden Optimismus der Anleger getragen und trieben die taktischen Indikatoren auf überhöhte Niveaus. Daher stehen dem vorteilhaften Umfeld für Aktien auch grössere kurzfristige Risiken gegenüber.

Zu den bedeutendsten Risiken für globale Aktien zählen unter anderem unerwartet frühe Andeutungen von Zentralbanken über eine Drosselung, die Steuererhöhungspläne der Regierung Biden, die die Gewinne belasten dürften, sowie nachteilige Entwicklungen im Zusammenhang mit COVID-19, wie etwa weitere Mutationen oder mangelnde Impffortschritte. Nicht zuletzt gehen auch von der Geopolitik Risiken aus.

Im Portfoliokontext reduzieren wir Aktien deshalb auf die strategischen Niveaus.

Industrieländeraktien

Von Industrieländeraktien erwarten wir attraktive Erträge und bevorzugen britische und deutsche Aktien.

Britische Aktien bieten attraktive Bewertungen in Verbindung mit einem ansprechenden Dividendenpolster, während die seit vier Jahren andauernde Belastung durch die Brexit-Unsicherheit wegfällt. Deutsche Aktien bieten weiteres Erholungspotenzial, da sich die Zyklizität des Marktes mit Qualität paart. Im Gegenzug stufen wir französische Aktien mit Underperform ein.

Auf der Sektorebene favorisieren wir den Grundstoffsektor und Finanzwerte, während wir Basiskonsumgüter und börsennotierte Immobilien am wenigsten bevorzugen. Grundstoffaktien (Materials) bieten ansprechende Fundamentaldaten und dürften von höheren Rohstoffpreisen und Infrastrukturinvestitionen profitieren. Finanzwerte haben weiteres Aufholpotenzial, da sie immer noch attraktiv bewertet sind und ein bedeutender Nutzniesser der wirtschaftlichen Beschleunigung und eines weiteren Renditeanstiegs sein dürften.

Emerging market equities

Von Aktien aus Schwellenländern (EM) erwarten wir weiterhin attraktive Renditen. Im Portfoliokontext halten wir die Allokation jedoch auf den strategischen Niveaus, da wir China auf neutral reduzieren und nicht mit einer weiteren Abwertung des US-Dollars rechnen.

Wesentliche Risiken für unsere Einschätzung von EM-Aktien als attraktiv sind ein stärkerer USD, eine abrupte Verschärfung der Finanzierungsbedingungen, schleppende Fortschritte bei den Impfungen und eine Eskalation der Spannungen zwischen den USA und China.

In den asiatischen Schwellenländern erscheinen die fundamentalen Faktoren und der gesamtwirtschaftliche Hintergrund nach wie vor vorteilhafter. Wir gehen weiterhin davon aus, dass sich asiatische Schwellenländer aufgrund der besseren Fundamentaldaten und des Engagements der Region in der «New Economy» besser entwickeln werden als die globalen Schwellenländer.

Ausgewählte Aktienindices, YTD. Quelle: Bloomberg

Währungen

Vorsichtiger bei Niedrigzinswährungen: Der USD hat sich stabilisiert und der USD DXY blieb im letzten Monat weitgehend unverändert. Schnellere Impffortschritte und ein gewaltiges Konjunkturpaket haben die Konsenserwartungen an das US-Wachstum deutlich nach oben getrieben. Dies spricht letztlich auch für höhere US-Zinsen. Die Überraschungen bei der US-Aktivität könnten zwar Bestand haben. Aufgrund der massiven Aufwärtskorrekturen der Konsenserwartungen dürfte es der US-Wirtschaft jedoch schwerer fallen, auf dem erwarteten Wachstumspfad noch weitere Überraschungen zu produzieren. Darüber hinaus hat die US-Notenbank klargestellt, dass sie sich bei Entscheidungen über ihre Geldpolitik nicht an Prognosen, sondern an Ergebnissen orientiert. Das heisst, für eine weitere Leitzins-Neubewertung müssten die Inflations- und Aktivitätsdaten deutlich über den Erwartungen liegen. Die US-Zinsen werden zwar weiterhin höher sein als die Zinssätze in Europa und Japan.

Kurzfristig besteht unserer Meinung nach jedoch weniger Spielraum für einen Ausbau des US-Renditevorsprungs, der einen weiteren Anstieg des USD stützen würde. Insgesamt beurteilen wir denUSD gegenüber renditeschwächeren Währungen wie EUR, CHF und JPY weiterhin neutral.

Unserer Ansicht nach besteht bei Schwellenländerwährungen noch Aufwärtspotenzial: Wir halten das zyklische Exposure von Schwellenländerwährungen noch immer für attraktiv. Hochzinswährungen wie der ZAR und der MXN legten gegenüber dem USD kräftig zu. In den meisten Schwellenländern hat die Inflation den Tiefpunkt erreicht, weshalb jetzt mit einer restriktiveren Geldpolitik gerechnet wird. Dies dürfte den Renditevorteil der Schwellenländerwährungen gegenüber dem USD weiter stärken. Darüber hinaus verbessern sich die wirtschaftlichen Aussichten und die externen Positionen bleiben solide. Insgesamt erscheinen das fundamentale Bild und die Positionierung angesichts des jüngsten Anstiegs der US-Zinsen solider als 2013.

EURUSD Wechselkurs, YTD. Quelle: Bloomberg

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