Anlageausblick August 2026
Von sommerlicher Ruhe keine Spur Von einer ruhigen Sommerphase kann keine Rede sein. Der Juli …
Overview
Von sommerlicher Ruhe keine Spur
Von einer ruhigen Sommerphase kann keine Rede sein. Der Juli verlief deutlich turbulenter, als es die Entwicklung der grossen Aktienindizes auf den ersten Blick vermuten lässt. Während der S&P 500 den Monat nur leicht im Minus beendete, offenbarte die ausgeprägte Volatilität unter der Oberfläche zunehmende Schwächen in einem der am stärksten positionierten Marktthemen: Künstliche Intelligenz (KI). Aktien von Halbleiterherstellern sowie Unternehmen entlang der KI-Wertschöpfungskette gerieten spürbar unter Druck, da Investoren zunehmend hinterfragen, ob die enormen Investitionen in Rechenzentren, Chips und Energieinfrastruktur letztlich ausreichend Renditen erwirtschaften können, um die bereits zugesagten Billionenbeträge zu rechtfertigen. Zweifel an der Monetarisierung von KI, Befürchtungen hinsichtlich möglicher Überkapazitäten, der wachsende Wettbewerbsdruck aus China sowie zunehmend komplexe Finanzierungsstrukturen trafen auf eine hohe Positionierung und gesteigerte Hebelwirkungen und lösten eine breite Korrektur innerhalb des Sektors aus.
Gleichzeitig verlor das makroökonomische Umfeld an Unterstützungskraft. Die Handelsspannungen nahmen nach einer neuen Runde von US-Zöllen wieder zu, geopolitische Risiken verschärften sich durch die erneute Eskalation des Konflikts zwischen dem Iran und den USA, und die Anleihemärkte sendeten zunehmend unangenehme Signale an die Wirtschaftspolitik. Trotz einer weiterhin über dem Zielwert liegenden Inflation beliess die US-Notenbank unter ihrem neuen Vorsitzenden Kevin Warsh die Leitzinsen unverändert. Dies nährte Zweifel an der Glaubwürdigkeit der Geldpolitik und trug zu einem deutlichen Anstieg der langfristigen Renditen bei. Die Rendite 30-jähriger US-Staatsanleihen stieg daraufhin auf knapp 5,3 %, den höchsten Stand seit nahezu zwei Jahrzehnten, und belastete damit zusätzlich risikobehaftete Anlageklassen.
Trotz der Turbulenzen zeigten sich Anzeichen einer robusten Marktbreite. Der gleichgewichtete S&P 500 entwickelte sich besser als der nach Marktkapitalisierung gewichtete Index, europäische Aktien verzeichneten Kursgewinne, und die Ergebnisse vieler KI-orientierter Unternehmen deuteten weiterhin auf eine starke zugrunde liegende Nachfrage hin. Bis zum Monatsende stabilisierten sich die Aktienmärkte wieder, da die KI-Rallye einen Teil ihrer Verluste aufholte. Unterstützt wurde dies durch Berichte, wonach erzwungene Verkäufe eines stark fremdfinanzierten Hedgefonds den Kursrückgang zusätzlich verstärkt hatten.
Der August dürfte von drei zentralen Themen geprägt werden: der Nachhaltigkeit des KI-Investitionsbooms, der weiteren Entwicklung der Anleiherenditen sowie den geopolitischen Ereignissen im Nahen Osten. Da sich die Berichtssaison ihrem Ende nähert und die Handelsvolumina während der Ferienzeit traditionell zurückgehen, könnten Anleger nun tatsächlich die ruhigeren Sommermärkte erleben, die viele erwartet hatten. Ob die Korrektur im Juli lediglich eine Verschnaufpause innerhalb des KI-getriebenen Aufwärtstrends war oder den Beginn einer tiefergehenden Neubewertung markiert, bleibt die entscheidende Frage für die kommenden Wochen.
Our investment policy

Die Begriffe attraktiv / unattraktiv beschreiben das Renditepotenzial der verschiedenen Anlageklassen. Eine Anlageklasse gilt als attraktiv, wenn ihre erwartete Rendite über der lokalen Cash-Rate liegt. Sie gilt als unattraktiv, wenn die erwartete Rendite negativ ist. Sehr attraktiv / sehr unattraktiv bezeichnen die Einschätzungen des BENDURA Anlagekomitees mit der höchsten Überzeugung. Der Zeithorizont für diese Einschätzungen beträgt 3-6 Monate.
Global Economy
USA
Das makroökonomische Umfeld in den USA hat sich zuletzt komplexer gestaltet. Die Inflation erweist sich als hartnäckiger als erhofft, während die US-Notenbank einen zunehmend restriktiven Kurs verfolgt. Die jährliche Teuerungsrate (CPI) ging im Juni zwar auf 3,5 % zurück. Diese leicht schwächere Entwicklung verschaffte den Märkten zunächst etwas Entlastung. Allerdings sorgten die erneuten Spannungen im Nahen Osten im Vorfeld der FOMC-Sitzung im Juli für einen deutlichen Anstieg der Ölpreise und rückten die Inflationsdebatte erneut in den Fokus.
Fed-Vorsitzender Kevin Warsh, der wiederholt betont hatte, die Notenbank habe „keine Toleranz“ gegenüber dauerhaft erhöhten Inflationsraten, beliess den Leitzins Ende Juli bei einer Obergrenze von 3,75% unverändert. Die Sitzung verlief jedoch keineswegs einstimmig: Zwei abweichende Stimmen innerhalb des Offenmarktausschusses, darunter die Präsidentin der Federal Reserve Bank of Dallas, Lorie Logan, sowie die Präsidentin der Federal Reserve Bank of Cleveland, Beth Hammack, sprachen sich für eine sofortige Zinserhöhung aus. Beide warnten davor, dass weiteres Zuwarten künftig deutlich aggressivere geldpolitische Massnahmen erforderlich machen könnte. Logan argumentierte, dass die Inflation ohne ausreichend restriktive Geldpolitik voraussichtlich weiterhin oberhalb des Inflationsziels von 2 % verharren werde. Die Stimmung der US-Konsumenten verbesserte sich im Juli leicht und erreichte mit 55,2 Punkten den höchsten Stand seit fünf Monaten, nachdem die Benzinpreise von ihren kriegsbedingt erhöhten Niveaus zurückgekommen waren. Gleichzeitig bleiben die Inflationserwartungen erhöht: Laut der Umfrage der Federal Reserve Bank of New York stiegen die Erwartungen für die kommenden zwölf Monate im Juni auf 3,7 %. Die Finanzmärkte rechnen inzwischen zunehmend mit einem Szenario „higher for longer“, also längerfristig höheren Zinsen. Bloomberg Economics weist zudem darauf hin, dass die Auswirkungen des Iran-Konflikts das globale Zinsniveau über Jahre hinweg erhöht halten könnten. Das Spannungsfeld zwischen anhaltendem Inflationsdruck und einer sich abschwächenden Wachstumsdynamik bleibt damit der prägende Faktor für das makroökonomische Umfeld zum Start in den August.
Europa
Das makroökonomische Bild in Europa präsentiert sich differenzierter. Es wird von den anhaltenden Auswirkungen des Iran-Konflikts, einer vorsichtigen Europäischen Zentralbank (EZB) sowie einer uneinheitlichen Entwicklung auf Länderebene geprägt. Die jährliche Inflationsrate im Euroraum stieg im Juli wieder auf 2,9 % an, nachdem sie im Juni vorübergehend auf 2,8 % zurückgegangen war. Der Rückgang im Juni war überraschend ausgefallen und vor allem auf zeitweise nachgebende Ölpreise im Zuge vorsichtiger Signale einer Entspannung im Nahen Osten zurückzuführen. Der erneute Anstieg der Inflation im Juli, kombiniert mit einem weiterhin soliden Wirtschaftswachstum von 0,2 % im Euroraum im zweiten Quartal, stärkte die Argumentation der restriktiver ausgerichteten EZB-Ratsmitglieder, die weiteren geldpolitischen Straffungsbedarf sehen.
Auf ihrer Sitzung vom 23. Juli beliess die EZB den Einlagensatz unverändert bei 2,25 %. Die Entscheidung erfolgte jedoch nicht ohne intensive Diskussionen. Berichten zufolge erwogen einzelne Notenbankvertreter zunächst eine unmittelbare Zinserhöhung, bevor schliesslich Einigkeit über das Beibehalten des aktuellen Zinsniveaus erzielt wurde.
Auf Länderebene zeigten sich in Deutschland erste Anzeichen einer Stabilisierung, während die Bundesregierung die Reform des Rentensystems vorantrieb und die Industriedaten eine leichte Verbesserung signalisierten. Gleichwohl bleibt die wirtschaftliche Erholung fragil. In Frankreich bewegte sich die Inflation weiterhin in der Nähe des EZB-Zielwerts von 2 %, während Italien und Spanien eine vergleichsweise robuste Entwicklung aufwiesen. Insgesamt startet Europa mit demselben grundlegenden Spannungsfeld in den August wie bereits im Juni: einem nachlassenden Wirtschaftswachstum bei gleichzeitig erhöhtem Inflationsdruck, der zwar deutlich unter seinen Höchstständen liegt, sich aber nur schwer dauerhaft auf das Zielniveau zurückführen lässt. Vor diesem Hintergrund bleibt die EZB-Entscheidung im September offen und von den bis dahin eingehenden Daten abhängig. Die Widerstandsfähigkeit der italienischen Wirtschaft wird zunehmend durch die aktuellen Konjunkturdaten untermauert. Das Bruttoinlandsprodukt wuchs im zweiten Quartal 2026 um 0,2 % gegenüber dem Vorquartal und lag damit auf dem Niveau Deutschlands und Frankreichs, während Spanien mit einem Plus von 0,7 % besonders positiv überraschte. Besonders hervorzuheben ist der Dienstleistungssektor: Der italienische Einkaufsmanagerindex (PMI) für Dienstleistungen stieg im Juli auf 52,5 Punkte und erreichte damit den höchsten Stand seit Januar 2026. Gleichzeitig lag der Wert deutlich über den Markterwartungen von 51 Punkten. Auch der Composite PMI verbesserte sich auf 52,5 Punkte und unterstreicht die robuste Dynamik in der italienischen Wirtschaft.
Asien
Japan startet in den August in einem anspruchsvollen Umfeld, das von der anhaltenden Schwäche des Yen, steigenden Inflationsraten und einer zunehmend fortschreitenden Normalisierung der Geldpolitik geprägt ist. Das Wirtschaftswachstum bleibt insgesamt verhalten. Auf ihrer Sitzung vom 31. Juli hob die Bank of Japan (BoJ) ihre Prognose für das reale BIP-Wachstum im Fiskaljahr 2026 auf 0,6 % an und liegt damit im Einklang mit den Einschätzungen des Internationalen Währungsfonds (IWF) sowie der OECD. Gleichzeitig sieht sich die japanische Wirtschaft weiterhin Belastungen durch erhöhte Energiepreise ausgesetzt, die infolge des Konflikts im Nahen Osten unter Druck bleiben.
Die Verbraucherpreisinflation lag im Juni bei 1,6 % gegenüber dem Vorjahr. Die implizite Inflationserwartung, gemessen an der Renditedifferenz zehnjähriger inflationsgeschützter Staatsanleihen (10-Jahres-Breakeven-Rate), bewegte sich zuletzt knapp unter der Marke von 2 %. Dies deutet darauf hin, dass die Finanzmärkte mittelfristig weiterhin mit einer Inflation nahe dem Zielwert der Notenbank rechnen.
Aus den veröffentlichten Protokollen der BoJ-Sitzung im Juni geht hervor, dass die Mehrheit der Ratsmitglieder Aufwärtsrisiken für die zugrunde liegende Inflation sieht. Ein Mitglied sprach sich sogar dafür aus, die Leitzinsen „so rasch wie möglich“ in Richtung des als neutral angesehenen Zinsniveaus von 1,1 % bis 2,5 % anzuheben. Dies unterstreicht die wachsende Bereitschaft innerhalb der Notenbank, den eingeleiteten Normalisierungskurs fortzusetzen, sofern sich die Inflation und die wirtschaftliche Entwicklung weiterhin im Rahmen der Erwartungen bewegen.
Zuletzt hatte der japanische Yen gegenüber dem US-Dollar auf Niveaus nachgegeben, die zuletzt vor mehreren Jahrzehnten beobachtet wurden, und notierte zeitweise in einer Spanne von 160 bis 164 Yen je US-Dollar. Hauptursachen hierfür waren die anhaltend hohe Zinsdifferenz zwischen den USA und Japan, gestiegene globale Energiepreise, auf deren Importe Japan in hohem Masse angewiesen ist, sowie die anhaltende Stärke des US-Dollars. Die Abwertung verschärfte gleichzeitig den Inflationsdruck in Japan, da sich insbesondere die Kosten für Energie- und Nahrungsmittelimporte erhöhten. Dies belastete die privaten Haushalte und erschwerte die geldpolitische Entscheidungsfindung der Bank of Japan zusätzlich.
Vor diesem Hintergrund kam es Ende Juli zu einer historisch bedeutenden gemeinsamen Währungsintervention der USA und Japans zur Stabilisierung des Yen. Schätzungen zufolge setzte Japan allein am Donnerstag, den 30. Juli, rund 8,45 Billionen Yen (etwa 52,8 Mrd. US-Dollar) ein. Am darauffolgenden Freitag, dem 31. Juli, folgten weitere rund 5,33 Billionen Yen (etwa 34 Mrd. US-Dollar), womit ein neuer monatlicher Rekord bei Währungsinterventionen erreicht wurde. Berichten zufolge koordinierte US-Finanzminister Scott Bessent auf US-Seite die Massnahme und ermöglichte Yen-Käufe von bis zu 10 Mrd. US-Dollar. Die Intervention führte zu einer deutlichen Aufwertung der japanischen Währung, die sich zeitweise um bis zu 5 % von ihrem Vier-Jahrzehnte-Tief erholen konnte. In den darauffolgenden Tagen verlor die Bewegung jedoch etwas an Dynamik, sodass der Wechselkurs zuletzt wieder im Bereich von 157 bis 158 Yen je US-Dollar lag. Die aussergewöhnliche Grössenordnung der Intervention unterstreicht, dass die Stabilisierung der Währung inzwischen zu den höchsten wirtschaftspolitischen Prioritäten Japans zählt.
Trotz einer auf Indexebene vergleichsweise stabilen Entwicklung verlief der Juli ausgesprochen volatil. Eine starke Erholung am letzten Handelstag des Monats verhalf dem S&P 500 zwar zum ersten Wochengewinn seit drei Wochen, dennoch schloss der Leitindex den Monat mit einem leichten Minus von 0,13 % ab. Der technologieorientierte Nasdaq verzeichnete mit einem Rückgang von 3,2 % deutlich stärkere Verluste, nachdem insbesondere Halbleiterwerte erheblich unter Druck geraten waren. Positiv hervorzuheben ist jedoch die weiterhin robuste Marktbreite. Der gleichgewichtete S&P 500 legte im Monatsverlauf um 0,9 % zu und übertraf damit den klassischen, nach Marktkapitalisierung gewichteten Index um mehr als 100 Basispunkte. Dies deutet darauf hin, dass die Kursentwicklung nicht ausschliesslich von einigen wenigen Schwergewichten getragen wurde, sondern auf einer breiteren Basis innerhalb des Aktienmarktes stattfand.
Die Unternehmensberichte in den USA blieben ein wesentlicher Stützungsfaktor für die Finanzmärkte. Mehr als 60 % der im S&P 500 vertretenen Unternehmen haben mittlerweile ihre Ergebnisse für das zweite Quartal vorgelegt, wobei die überwiegende Mehrheit die Markterwartungen übertreffen konnte. Besonders erfreulich entwickelte sich das Gewinnwachstum, das weiterhin von hohen Investitionen im Bereich der Künstlichen Intelligenz, einer soliden Preissetzungsmacht vieler Unternehmen, Produktivitätssteigerungen sowie einer widerstandsfähigen Konsumnachfrage getragen wird. Die positive Entwicklung zeigt sich über zahlreiche Branchen hinweg. Auch konsumnahe Unternehmen berichteten von weiterhin robusten Ausgabentrends auf Seiten der Verbraucher. Insgesamt vermittelt die laufende Berichtssaison trotz bestehender Konjunktur- und Kaufkraftsorgen ein Bild einer weiterhin soliden Unternehmenslandschaft in den USA. Bemerkenswert ist zudem die breite Basis des Gewinnwachstums: Acht der elf Sektoren des S&P 500 verzeichnen aktuell zweistellige Zuwachsraten bei den Unternehmensgewinnen. Dies spricht für eine weiterhin robuste Ertragsdynamik und unterstreicht die Widerstandsfähigkeit der US-Unternehmen in einem anspruchsvollen makroökonomischen Umfeld.
Europäische Aktien setzten ihren positiven Trend fort. Der Stoxx Europe 600 verzeichnete den vierten monatlichen Anstieg in Folge und erreichte ein neues Rekordhoch. Trotz zwischenzeitlicher Schwankungen infolge der erneuten Spannungen zwischen den USA und dem Iran sowie wechselnder Erwartungen hinsichtlich Energiepreisen, Inflation und Zinspolitik erwies sich das wirtschaftliche Umfeld in Europa insgesamt als widerstandsfähig.
Die Dynamik bei den Unternehmensgewinnen verbreiterte sich zunehmend über verschiedene Sektoren hinweg. Gleichzeitig verlagerten Investoren ihre Positionierung weg von stark überlaufenen KI-bezogenen Anlagethemen hin zu Marktsegmenten mit attraktiveren Bewertungen. Die Kombination aus robustem Wirtschaftswachstum und einer verbesserten Marktbreite unterstützte die weitere Aufwärtsentwicklung europäischer Aktienmärkte. Der Sektor Öl & Gas entwickelte sich am stärksten. Unterstützt wurde die positive Performance durch steigende Ölpreise infolge der zunehmenden Spannungen im Nahen Osten, Sorgen über mögliche Beeinträchtigungen der Schifffahrtsroute durch die Strasse von Hormus sowie durch solide Unternehmensgewinne. Ebenfalls stark präsentierte sich der Finanzsektor, insbesondere Banken. Positive Geschäftsergebnisse von Banco Santander (+1,9 %), BNP Paribas (+7,4 %) und Banco Sabadell (+7,3 %) sorgten hier für zusätzliche Unterstützung. Der Technologiesektor blieb hingegen trotz erfreulicher Unternehmenszahlen unter Druck. Zwar konnten halbleiternahe Unternehmen wie ASML (+16,7 %), ASM International (+19,9 %) und Melexis (+12,6 %) mit starken Ergebnissen überzeugen, Anleger äusserten jedoch zunehmend Zweifel an der langfristigen Nachhaltigkeit der hohen Investitionen in KI-Infrastruktur.
Der von Künstlicher Intelligenz getriebene Börsenboom in Südkorea geriet zuletzt zunehmend unter Druck. Die Aktienkurse von Samsung Electronics und SK Hynix sind seit Juni um 41 % beziehungsweise 52 % gefallen, wodurch sich die gemeinsame Marktkapitalisierung der beiden Unternehmen um rund 1,2 Billionen US-Dollar verringert hat. Dennoch wird erwartet, dass die beiden führenden Hersteller von Speicherchips gemeinsam mit Nvidia auch im kommenden Jahr jeweils freie Cashflows von über 200 Mrd. US-Dollar erwirtschaften. Dies verdeutlicht die enorme Ertragskraft, die derzeit durch die weltweiten Investitionen in KI-Infrastruktur geschaffen wird.
Gleichzeitig hinterfragen Investoren zunehmend die Nachhaltigkeit des aktuellen Speicherchip-Zyklus. Zwar profitiert die Branche weiterhin von einer starken Nachfrage aus den Bereichen Rechenzentren, Künstliche Intelligenz und Robotik, doch nehmen die Sorgen zu, dass zusätzliche Produktionskapazitäten mittelfristig zu sinkenden Preisen und rückläufigen Margen führen könnten. Besonders im Fokus stehen dabei Risiken einer zunehmenden Standardisierung von Speicherchips sowie der wachsende Wettbewerb durch chinesische Anbieter, die insbesondere im unteren und mittleren Produktsegment Marktanteile gewinnen. Darüber hinaus bestehen Befürchtungen, dass Kunden ihre langfristigen Investitionspläne überdenken oder reduzieren könnten, falls sich das Wachstum der KI-Investitionen abschwächen sollte. Die Diskussion an den Märkten hat sich daher spürbar verändert: Während bislang vor allem die Frage im Vordergrund stand, wie stark die Gewinne der Branche noch steigen können, richtet sich der Blick nun zunehmend darauf, wie nachhaltig die derzeitigen Ertragsniveaus und Bewertungen in den kommenden Jahren tatsächlich sein werden.

Bonds
Die Anleihemärkte blieben im Juli von erhöhter Volatilität geprägt, da Investoren die Auswirkungen anhaltender Inflationsrisiken, robuster Konjunkturdaten sowie der Unsicherheit über den weiteren geldpolitischen Kurs der US-Notenbank neu bewerteten. Die Renditen von US-Staatsanleihen stiegen im Monatsverlauf kontinuierlich an. So erhöhte sich die Rendite zehnjähriger US-Treasuries von rund 4,45 % auf etwa 4,75 %, während die Rendite dreissigjähriger Staatsanleihen mit rund 5,3 % den höchsten Stand seit nahezu zwei Jahrzehnten erreichte. Entsprechend gerieten die Kurse von Anleihen unter Druck.
Besondere Aufmerksamkeit galt der geldpolitischen Sitzung unter dem Vorsitz von Fed-Chef Kevin Warsh. Obwohl die US-Notenbank die Leitzinsen unverändert beliess, zweifelten Marktteilnehmer zunehmend daran, ob die Geldpolitik ausreichend restriktiv ist, um die weiterhin deutlich über dem Zielwert liegende Inflation nachhaltig einzudämmen. Der Anstieg der langfristigen Renditen deutet darauf hin, dass die Märkte die Inflationsrisiken noch nicht als ausreichend adressiert ansehen. Gleichzeitig wirft dies die Frage auf, ob es der Notenbank bereits gelungen ist, die Erwartungen der Marktteilnehmer vollständig zu verankern. Derzeit rechnen die Finanzmärkte mit mindestens einer weiteren Zinserhöhung bis Ende 2026.
In Europa wurden die Anleihemärkte vor allem durch die Juli-Sitzung der Europäischen Zentralbank geprägt. Nachdem die EZB im Juni überraschend die Zinsen angehoben hatte, beliess sie den Einlagensatz im Juli unverändert bei 2,25 %. Die Notenbank bekräftigte ihren vorsichtigen Ansatz und verwies auf die anhaltende Unsicherheit hinsichtlich der Energiepreisentwicklung sowie auf die inflationsfördernden Auswirkungen des Nahostkonflikts. Gleichzeitig unterstrich sie ihre Entschlossenheit, die Inflation nachhaltig auf das Zielniveau von 2 % zurückzuführen. Trotz der Zinspause wurde die Kommunikation der EZB von den Märkten als vergleichsweise restriktiv interpretiert. Infolgedessen stiegen die Renditen von Staatsanleihen im Euroraum im Monatsverlauf überwiegend an. Die Rendite zehnjähriger deutscher Bundesanleihen erhöhte sich von rund 2,95 % zu Beginn des Monats auf etwa 3,20 % zum Monatsende, da Investoren die Wahrscheinlichkeit weiterer geldpolitischer Straffungsmassnahmen neu bewerteten. Insgesamt verzeichneten europäische Staatsanleihen im Juli Kursverluste, was die Erwartung widerspiegelt, dass die EZB an ihrem restriktiven Kurs festhalten dürfte, bis die Inflationsrisiken deutlicher eingedämmt sind.


Commodities & Currencies
Gold steht in den vergangenen Monaten unter Konsolidierungsdruck und bewegt sich derzeit im Bereich von rund 4.000 US-Dollar je Unze. Hauptursache hierfür sind die gestiegenen realen Renditen, die die Attraktivität des zinslosen Edelmetalls kurzfristig belastet haben. Ein Grossteil der Marktanpassung an das Umfeld höherer Realzinsen dürfte inzwischen jedoch erfolgt sein. Sowohl Gold-ETFs als auch Aktien von Goldminenunternehmen haben bereits spürbare Kurskorrekturen verzeichnet. Mittelfristig bleibt der Ausblick für Gold aus unserer Sicht konstruktiv. Unterstützend wirken die anhaltend hohen Goldkäufe der Zentralbanken, geopolitische Unsicherheiten, zunehmende fiskalische Herausforderungen in vielen Volkswirtschaften, fortschreitende Diversifizierungsbemühungen weg vom US-Dollar sowie weiterhin bestehende Inflationsrisiken. Zwar könnten eine weiterhin erhöhte spekulative Positionierung sowie das aktuelle Niveau der Realzinsen das kurzfristige Aufwärtspotenzial begrenzen, eine Entspannung an den Zinsmärkten und mehr Klarheit über den zukünftigen Kurs der US-Notenbank könnten jedoch wichtige Impulse für eine erneute Aufwärtsbewegung liefern. Unser Basisszenario geht davon aus, dass Gold im zweiten Halbjahr 2026 wieder an Dynamik gewinnt und das Jahr im Bereich von rund 4.600 US-Dollar je Unze abschliessen kann. Getragen werden dürfte diese Entwicklung insbesondere von einer weiterhin robusten Nachfrage seitens der Zentralbanken sowie einer allmählichen Anpassung der Inflationserwartungen und Anlegerpositionierungen. In einem solchen Umfeld erscheinen insbesondere hochwertige Goldproduzenten mit starker Free-Cashflow-Generierung, soliden Bilanzen, attraktiven Wachstumsperspektiven und einer ausgeprägten Hebelwirkung auf steigende Goldpreise gut positioniert. Diese Unternehmen dürften überdurchschnittlich von einem freundlichen Marktumfeld für Gold profitieren.
Der Juli 2026 erwies sich als einer der volatilsten Monate für den Ölmarkt seit vielen Jahren. Der Preis für die US-Referenzsorte WTI schwankte zwischen seinem Tief- und Höchststand um nahezu 24 US-Dollar je Barrel. Zu Monatsbeginn notierte WTI noch vergleichsweise stabil bei rund 68,70 US-Dollar je Barrel. Im weiteren Verlauf sorgten jedoch erneute US-Militärschläge gegen den Iran, eine Eskalation der Angriffe auf die Schifffahrt in der Strasse von Hormus sowie eine US-Blockade iranischer Häfen für einen deutlichen Anstieg der Risikoprämien am Ölmarkt. In der Folge kletterte der WTI-Preis kontinuierlich und überschritt die Marke von 80 US-Dollar je Barrel deutlich. Am 23. Juli erreichte der Preis mit über 100 US-Dollar sein Monatshoch. Zusätzlichen Auftrieb erhielt der Markt, nachdem von Iran unterstützte Huthi-Milizen Tanker aus Saudi-Arabien im Roten Meer angegriffen hatten. Dadurch näherte sich auch die Nordseesorte Brent zeitweise der Marke von 100 US-Dollar je Barrel. Gleichzeitig nahmen die Sorgen über mögliche Angebotsengpässe zu, da strategische Reserven und alternative Transportwege zunehmend an ihre Grenzen stiessen und jede neue Eskalation die Nervosität der Marktteilnehmer verstärkte. Die Aufwärtsbewegung endete jedoch abrupt am 27. Juli. Nachdem die USA ihre täglichen Angriffe auf iranische Ziele vorübergehend ausgesetzt hatten und Tanker den zuvor beeinträchtigten Exportterminal wieder anlaufen konnten, beruhigte sich die Lage am Markt spürbar. In der Folge verzeichnete WTI innerhalb einer einzigen Handelssitzung einen Preisrückgang von mehr als 8 %.
Der Konflikt bleibt ungelöst. Die Marktteilnehmer gehen jedoch davon aus, dass die Verhandlungen zwischen den USA, dem Iran und anderen Ländern des Nahen Ostens Fortschritte machen und sich schrittweise eine Einigung abzeichnet.
Der EUR/USD-Kurs eröffnete den Monat nahe 1,138 und gab in der ersten Julihälfte schrittweise nach. Belastet wurde das Währungspaar durch eine negative Marktpositionierung im Vorfeld der US-Inflationsdaten, zunehmende Sorgen über politische Unsicherheiten in Europa sowie eine Verschlechterung der Terms of Trade. Der US-Dollar gewann jedoch um den 23. Juli herum zusätzlich an Stärke, als die Ölpreise über 100 US-Dollar je Barrel stiegen und die Märkte eine Zinserhöhung der Federal Reserve im September vollständig einpreisten. Infolgedessen fiel EUR/USD wieder in Richtung seiner Monatstiefs.
