Anlageausblick Juli 2021

Die globale wirtschaftliche Beschleunigung weitet sich aus, wobei sich Europa den USA im Aufschwung anschliesst. Die Schwellenländer hinken insgesamt hinterher, mit grossen regionalen Unterschieden aufgrund unterschiedlicher Virussituationen und Politiken. Die globale Industrieproduktion dürfte stark bleiben, da die Lagerbestände Zeit brauchen, um sich wieder aufzubauen. In der letzten Sitzung bestätigte unser Anlageausschuss unsere bestehenden Ansichten zu den wichtigsten Anlageklassen. Wir haben beschlossen, die taktischen Allokationen beizubehalten, einschliesslich der Beibehaltung der strategischen Allokation in Aktien insgesamt sowie in Unternehmenskreditmärkten. Staatsanleihen bleiben in einer untergewichteten Allokation.

In der folgenden Tabelle stellen wir unsere Sicht auf die wichtigsten Anlageklassen dar:

Übersicht Marktmeinungen

 sehr unattraktivunattraktiv        neutral               attraktiv         sehr attraktiv    
 
Festverzinsliche     
  Staat     
  Unternehmen     
  Hochverzinsliche     
  Schwellenländer     
  Wandler     
 
Aktien     
  Vereinigte Staaten     
  Eurozone     
  Grossbritannien     
  Schweiz     
  Japan     
  Schwellenländer     
 
Wechselkurse     
  EURUSD     
  USDCHF     
  EURCHF     
  Schwellenländer     

Die Begriffe attraktiv / unattraktiv beschreiben das Renditepotenzial der verschiedenen Anlageklassen. Eine Anlageklasse gilt als attraktiv, wenn ihre erwartete Rendite über der lokalen Cash-Rate liegt. Sie gilt als unattraktiv, wenn die erwartete Rendite negativ ist. Sehr attraktiv / sehr unattraktiv bezeichnen die Einschätzungen des BENDURA Anlagekomitees mit der höchsten Überzeugung. Der Zeithorizont für diese Einschätzungen beträgt 3-6 Monate.

Festverzinsliche

Staatsanleihen

Die fortgesetzte fiskalpolitische Unterstützung, Impfprogramme und die Wiederöffnung der Wirtschaft in vielen Regionen werden die erwartete Konjunkturerholung weiter stärken. Dies dürfte die langfristigen globalen Renditen stützen. Die jüngste Anleihenrally verstärkt das Potenzial dafür.

Trotz der Konjunkturerholung, der steigenden Preise und der geänderten Zinsprognosen der Fed sind die kurzfristigen Renditen unserer Meinung nach im Augenblick gut verankert, da die Fed im Rahmen ihres neuen geldpolitischen Rahmens jetzt ein durchschnittliches Inflationsziel anpeilt. Allerdings besteht auch das Risiko einer grösseren geldpolitischen Unsicherheit, nicht nur im Hinblick auf die Zinssätze, sondern auch durch eine Reduzierung der Wertpapierkäufe (Drosselung).

Wir bekräftigen unsere Präferenz für Short-Duration-Strategien in der Eurozone und der Schweiz. In den USA bevorzugen wir nach der massiven Neubewertung Anfang des Jahres nun das mittelfristige Segment (im Bereich von 5 Jahren). Aufgrund der erhöhten Breakeven-Inflationsraten favorisieren wir inflationsgeschützte Anleihen gegenüber Nominalanleihen nicht mehr.

IG-Unternehmensanleihen

Angesichts der Reflation und der Wahrscheinlichkeit einer weiteren Reduzierung der Zentralbankbilanzen beurteilen wir globale IG-Anleihen weiterhin neutral. Ausserdem richten wir Engagements lieber auf Carry aus, als auf Kapitalzuwachs. Die Spreads sind nach wie vor teuer, vor allem beim CEMBI IG, wo das Potenzial einer Verengung begrenzt ist. Aufgrund des begrenzten Potenzials einer Spreadverengung stufen wir EM-IG-Unternehmensanleihen in Hartwährungen jetzt neutral ein. Stattdessen ziehen wir es vor, variabel verzinsliche Engagements mit weniger teuren Spreads hinzuzufügen, um den Carry und die Diversifikation zu verbessern.

Als sub-asset-class bevorzugen wir weiterhin europäische Hybridanleihen, deren Spread günstiger ist als der von US-amerikanischen und europäischen IG und die dennoch einen Value Pick-up bieten.

High-Yield-Anleihen

Wir erwarten nicht mehr, dass DM HY eine attraktive Carry-Rendite liefert. Innerhalb der HY-Anleihen favorisieren wir daher weiterhin Coco-Bonds.

Emerging-Market-Anleihen

Unser Anlagekomitee hält an seiner neutralen absoluten Einschätzung von Schwellenländeranleihen in Hartwährungen fest. Damit berücksichtigt es die fehlende Werthaltigkeit nach der starken Spreadverengung im Anschluss an den Abverkauf vom März.

Von den technischen Faktoren dürfte künftig eine geringere Unterstützung ausgehen, da sich die Zuflüsse von institutionellen und privaten Anlegern verlangsamt haben, während das Angebot an Anleihen steigt. Das fundamentale Bild hat sich nicht wesentlich verändert. Die Inflation bleibt ein kurzfristiges Risiko, doch die meisten Zentralbanken der Schwellenländer haben ihre Geldpolitik angepasst, um die Auswirkungen des Preisdrucks auf die Inflationserwartungen abzufangen.

Die Region EEMEA (europäische Schwellenländer, Naher Osten und Afrika) bleibt unser Favorit. China bevorzugen wir am meisten, Brasilien am wenigsten.

Ausgewählte Indices Festverzinslicher, YTD. Quelle: Bloomberg

Aktien

Wir stufen globale Aktien weiterhin neutral ein. Das anhaltende starke Wirtschaftswachstum dürfte zu einem weiteren starken Gewinnwachstum und zur Senkung der derzeit erhöhten Kurs-Gewinn-Verhältnisse führen, sodass sie im Laufe der Zeit weniger teuer erscheinen. Trotz des erneuten Anstiegs der COVID-19-Infektionen in Industrieländern dürften die Impffortschritte die Belastung der Wirtschaftsaktivität durch weitere Ausbrüche künftig erheblich begrenzen. Die jüngsten Fortschritte waren jedoch zunehmend konzentriert, was auf eine geringere Breite der Marktgewinne hindeutet. Unsere taktischen Indikatoren und die Umfragedaten deuten nach wie vor auf einen erhöhten Optimismus der Anleger und damit auf das Risiko einer vorübergehenden Marktkorrektur hin. Daher geht das Anlagekomitee im Augenblick nicht zu einer direkten Übergewichtung von Aktien in Portfolios über.

Wichtige Risiken für globale Aktien sind ein Höhepunkt des Wirtschaftswachstums und der Liquidität (eine Straffung der Geld- und Fiskalpolitik). Weitere Risiken sind stärkere und dauerhaftere Inflationsschübe, eine strengere Regulierung, die Steuererhöhungspläne der Regierung Biden – die die Gewinne belasten dürften – sowie nachteilige Entwicklungen im Zusammenhang mit COVID-19, wie ein erneuter Anstieg der Neuerkrankungen weitere Mutationen oder schleppende Impffortschritte. Und nicht zuletzt gehen auch von der Geopolitik Risiken aus.

Industrieländeraktien

Von Industrieländeraktien erwarten wir attraktive Erträge und bevorzugen Britische und Deutsche Aktien. Britische Aktien weisen attraktive Bewertungen und ansprechende Dividendenpolster auf und profitieren zudem von einer vorteilhaften Sektorzusammensetzung. Deutsche Aktien bieten weiteres Erholungspotenzial, da sich die Zyklizität des Marktes mit Qualität paart.

Auf der Sektorebene favorisieren wir den Grundstoffsektor (Materials) und Finanzwerte, während wir Basiskonsumgüter und börsennotierte Immobilien am wenigsten evorzugen. Grundstoffaktien bieten ansprechende Fundamentaldaten und dürften von Infrastrukturinvestitionen profitieren. Finanzwerte haben noch Aufholpotenzial, da sie immer noch attraktiv bewertet sind und erheblich von einer wirtschaftlichen Beschleunigung und einem erneuten Anstieg der Renditen profitieren dürften.

Aktien aus Schwellenländern

Von Aktien aus Schwellenländern (EM) erwarten wir weiterhin attraktive Renditen. Im Portfoliokontext jedoch, halten wir die Allokation auf strategischen Niveaus, da sich der Marktfokus auf die Sorge über einen Wachstumshöhepunkt und Kommentare über eine Drosselung der Zentralbanken richtet.

Die wesentlichen Risiken für unsere attraktive Einschätzung von EM-Aktien sind ein stärkerer USD, eine abrupte Verschärfung der Finanzierungsbedingungen, ein Inflationsschub, schleppende Fortschritte bei den Impfungen und eine Eskalation der Spannungen zwischen den USA und China.

Wir erwarten, dass sich die Schwellenländer in Asien besser entwickeln als globale Schwellenländer. Gründe dafür sind ihre guten Fundamentaldaten, ihr Engagement in der Chip-Fertigung und ihre Sensitivität gegenüber einer Belebung des globalen Handels. Die Schwellenländer Asiens bieten nach wie vor gute Gewinnaussichten und diversifizierte Engagements, die vom Welthandel und der Erholung profitieren.

Ausgewählte Aktienindices, YTD. Quelle: Bloomberg

Währungen

Die US-Notenbank deutete bei ihrer Sitzung im Juni Änderungen am erwarteten Beginn der Zinserhöhungen an. Mehr Fed-Vertreter sprachen sich für frühere Zinserhöhungen aus als im März. Das etwas restriktivere Ergebnis überraschte die Märkte und trug zu einem Anstieg der kurzfristigen US-Zinsen und des USD bei. Da die USD-Short-Positionen am Markt bis vor Kurzem erhöht waren, erwarten wir, dass der USD sehr kurzfristig Unterstützung erhält. Vor allem Niedrigzinswährungen wie EUR, CHF und JPY könnten aufgrund der veränderten Rhetorik der Fed von einer weiteren Konsolidierung gegenüber dem USD betroffen sein. Wir beurteilen den USD gegenüber renditeschwächeren Währungen wie EUR, CHF und JPY weiterhin neutral.

Für risikoreichere Währungen ist das globale Umfeld immer noch positiv: Trotz des Richtungswechsels der Fed und einer gewissen Abkühlung der Frühindikatoren erscheinen die globalen Wachstumsaussichten solide. In den nächsten Quartalen wird ein überdurchschnittliches Wachstum erwartet. Unseres Erachtens spricht dies noch immer für eine prozyklische Ausrichtung. Dies drücken wir im Augenblick bevorzugt durch Long-Positionen im CAD, im NZD und in der NOK aus. Diese Währungen sind hinter dem jüngsten steilen Anstieg der Rohstoff-Exportpreise zurückgeblieben, wie sich an den Terms of Trade ablesen lässt, und dürften – trotz der erwarteten Abkühlung beim Aufwärtstrend der Rohstoffpreise – im aktuellen makroökonomischen Umfeld weiterhin profitieren.

Wir behalten unsere positive Einschätzung von Schwellenländerwährungen (EM FX): Schwellenländerwährungen gaben aufgrund der USD-Stärke im letzten Monat von ihren jüngsten Höchstwerten nach, insbesondere Hochzins-EMWährungen. Die höhere Inflation beschleunigte die restriktivere Orientierung der Zentralbanken von Schwellenländern. Dies trifft insbesondere auf Mexiko zu, wo die Zentralbank den Markt im letzten Monat mit einer Zinserhöhung überraschte, da die Inflation konstant über den Erwartungen lag. Darüber hinaus bleibt die fundamentale Situation der Schwellenländer dank der guten Handels- und Aussenbilanzen solide. Dies dürfte die Anlageklasse weiterhin stützen. Wir erkennen ein weiteres Aufwertungspotenzial für den breiteren Komplex der Schwellenländerwährungen gegenüber dem USD und sehen das zyklische Engagement, das Schwellenländerwährungen bieten, als attraktiv an.

Unter den Schwellenländern bevorzugen wir insbesondere Asien. Mittelfristig rechnen wir nach wie vor mit einem Seitwärtstrend des USD. Daher dürften die guten fundamentalen Handelsdaten Asiens zu einem allmählichen Rückgang des USD gegenüber asiatischen und insbesondere nordasiatischen Währungen führen. Somit beurteilen wir den CNY und den KRW weiterhin positiv und prognostizieren einen USD/CNY-Kurs von 6.33 in drei und 6.30 in zwölf Monaten. Das Währungspaar USD/KRW sehen wir in drei Monaten bei 1115 und in zwölf Monaten bei 1080. Der starke Rückgang der neuen Exportaufträge im chinesischen Einkaufsmanagerindex bereitet zwar Sorge. Doch die Handelsdaten und die weltwirtschaftliche Situation deuten auf eine anhaltende Unterstützung für den Handelsbilanzüberschuss hin.

EURUSD Wechselkurs, YTD. Quelle: Bloomberg

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