ANLAGEAUSBLICK Juli 2025
Die Märkte bleiben trotz geopolitischer Schocks und politischer Unsicherheit bemerkenswert widerstandsfähig
In den vergangenen Monaten haben Anleger ein neues Mantra übernommen: „Es passiert nie etwas“ – zumindest was die Reaktionen der Märkte betrifft. Trotz einer Flut geopolitischer Schlagzeilen, darunter eine deutliche Eskalation im Nahen Osten, haben die US-Aktienmärkte nicht nur unbeeindruckt reagiert, sondern neue Höchststände erreicht. Seit dem Tiefpunkt im April hat der S&P 500 seine Verluste in nur 90 Tagen vollständig wettgemacht und ein neues Rekordhoch erzielt – die schnellste Erholung aller Zeiten. Angetrieben wurde diese Entwicklung durch verbesserte makroökonomische Daten, neue Begeisterung für künstliche Intelligenz und eine eher vorsichtige Positionierung der Anleger, die Raum für positive Überraschungen ließ.
Mit dem Beginn der traditionell ruhigeren Sommermonate stehen Investoren nun vor einer komplexen Mischung aus Risiken und Chancen. Der Konflikt im Nahen Osten ist zwar vorerst entschärft, aber weiterhin ungelöst. Auch die Handelspolitik in den USA könnte sich rasch verändern, und die bevorstehende Berichtssaison für das zweite Quartal wird zeigen, wie solide die Unternehmenszahlen wirklich sind.
Gleichzeitig stützen sinkende Anleiherenditen – ausgelöst durch zurückhaltende Signale der US-Notenbank und schwächere Wirtschaftsdaten – die Aktienmärkte. Historisch gesehen erholen sich die Märkte meist schnell von geopolitischen Schocks – und dieses Muster könnte sich erneut bestätigen.
Trotz der starken Entwicklung der US-Aktienmärkte bleiben viele Anleger vorsichtig. Es bestehen weiterhin Zweifel an der Nachhaltigkeit der Rally – insbesondere vor dem Hintergrund globaler Konflikte, unsicherer Handelspolitik und innenpolitischer Spannungen. Die selbst gesetzte 90-Tage-Frist der Trump-Regierung für Handelsverhandlungen läuft ab, und es gibt noch offene Fragen zum Schicksal geplanter Gesetzesvorhaben im Senat. Doch genau diese Skepsis könnte ein Grund dafür sein, dass die Rally weiter anhält. Da Stimmung und Positionierung weiterhin eher verhalten sind, gibt es kaum Anzeichen für übermäßige Euphorie oder eine überlaufene Marktteilnahme – Bedingungen, die häufig Vorboten einer Korrektur sind.
BENDURA Anlagepolitik

*inkl. UK und CH
Die Begriffe attraktiv / unattraktiv beschreiben das Renditepotenzial der verschiedenen Anlageklassen. Eine Anlageklasse gilt als attraktiv, wenn ihre erwartete Rendite über der lokalen Cash-Rate liegt. Sie gilt als unattraktiv, wenn die erwartete Rendite negativ ist. Sehr attraktiv / sehr unattraktiv bezeichnen die Einschätzungen des BENDURA Anlagekomitees mit der höchsten Überzeugung. Der Zeithorizont für diese Einschätzungen beträgt 3-6 Monate.
Weltwirtschaft
USA
Das Wirtschaftswachstum in den USA verläuft 2025 deutlich langsamer als in den vergangenen Jahren. Der Arbeitsmarkt, der zuvor sehr angespannt war und starkes Lohnwachstum begünstigte, hat sich inzwischen normalisiert. Auf etwa eine offene Stelle kommt nun eine arbeitslose Person und der Lohndruck hat nachgelassen. Auch die überschüssigen Ersparnisse der Haushalte sind weitgehend aufgebraucht und neue staatliche Konjunkturmaßnahmen – wie das vorgeschlagene „One Big Beautiful Bill“ – werden frühestens im nächsten Jahr wirksam. Daher dürfte die Fiskalpolitik in diesem Jahr eher bremsend als unterstützend auf die Wirtschaft wirken.
Der private Konsum, normalerweise ein zentraler Wachstumstreiber der US-Wirtschaft, hat sich abgeschwächt. Die realen Konsumausgaben sind in den ersten fünf Monaten des Jahres zurückgegangen – ein Muster, das typischerweise in Rezessionen auftritt. Diese Abschwächung setzte bereits ein, bevor neue Zölle eingeführt wurden, was auf tieferliegende strukturelle Probleme hindeutet. Auch der Immobilienmarkt steht unter Druck: Laut Redfin übersteigt das Angebot zu Verkauf stehenden Häusern die Nachfrage so stark wie seit 2014 nicht mehr. Die Immobilienpreise steuern – abgesehen von der Finanzkrise 2008 – auf ihr schlechtestes Jahr seit Jahrzehnten zu.
Als Reaktion darauf hat die Regierung regulatorische Änderungen eingeführt, um die Zinsen zu senken und die Kreditvergabe zu fördern – bislang jedoch mit begrenztem Erfolg. Der Arbeitsmarkt bleibt zwar der stabilste Teil der Wirtschaft, doch auch hier zeigen sich erste Risse: Die Zahl der fortlaufenden Arbeitslosenmeldungen ist auf ein neues Hoch in diesem Zyklus gestiegen, und Umfragen zeigen, dass es für viele schwieriger geworden ist, eine neue Stelle zu finden.
Eine große Herausforderung für die Regierung ist die US-Notenbank. Während die Regierung versucht, die Wirtschaft durch regulatorische Maßnahmen zu stimulieren, hängt echte Entlastung von niedrigeren Zinsen ab. Die Fed agiert jedoch vorsichtig: Die meisten Mitglieder des geldpolitischen Ausschusses (FOMC) rechnen nur mit zwei Zinssenkungen in diesem Jahr – einige sogar mit gar keiner. Das sorgt für Frust bei politischen Entscheidungsträgern, die sich schnellere Maßnahmen zur Wachstumsförderung wünschen.
Europa
Bei ihrer Sitzung im Juni hat die Europäische Zentralbank den Leitzins erneut gesenkt. Mit einem Einlagenzins von 2 % befindet sich dieser nun im neutralen Bereich, wobei weitere Lockerungsschritte innerhalb der EZB zunehmend kontrovers diskutiert werden dürften. Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen sprechen grundsätzlich für eine weitere Zinssenkung: Die Konjunkturdaten übertreffen zuletzt häufiger die Erwartungen, und Stimmungsindikatoren wie der IFO-Index (88,94), ZEW (11,6) und Sentix (14,25) zeigen eine allmähliche Erholung. Auch die Inflation ist rückläufig – die Gesamtinflation fiel im Mai auf 1,9 %, die Kerninflation auf 2,3 %.
Asien
Im Mai verzeichnete Chinas Einzelhandel einen überraschenden Anstieg der Verkaufszahlen – begünstigt durch staatliche Subventionen sowie Feiertagseinkäufe rund um den Tag der Arbeit und das Drachenbootfest. Auch der frühzeitige Start des 618-Shopping-Festivals kurbelte den Konsum an. Besonders stark zulegten Elektronik, Kommunikationsgeräte, Bürobedarf und Möbel mit Zuwächsen zwischen 25 % und 55 % im Vergleich zum Vorjahr. Die im Vorjahr eingeführten Subventionen zeigen Wirkung – in einigen Regionen sind die Mittel bereits ausgeschöpft, etwa die Hälfte der Gesamtmittel für 2025 ist jedoch noch verfügbar, was kurzfristig weiteres Wachstum ermöglichen könnte.
Allerdings wächst die Investitionstätigkeit seit Jahresbeginn langsamer als erwartet. Private Investitionen stagnieren, und auch die öffentlichen Ausgaben verlieren an Dynamik – ein Zeichen für eine breitere wirtschaftliche Abschwächung zur Jahresmitte. Die Industrieproduktion leidet unter sinkender Exportnachfrage. Gespräche zwischen China und den USA in London brachten kaum greifbare Ergebnisse: Zölle wurden nicht thematisiert, China beschleunigt jedoch die Genehmigung von Seltenen-Erden-Exporten, während die USA einige Handelsbeschränkungen lockern und chinesischen Studierenden weiterhin Visa gewähren. Ein grundlegender Wandel in den Handelsbeziehungen ist jedoch nicht in Sicht.
Aktien
Die US-Aktienmärkte führten im Juni die globale Entwicklung an: Der S&P 500 stieg um 4,96 % auf ein neues Allzeithoch, während der technologieorientierte Nasdaq um über 6,5 % zulegte – ebenfalls ein Rekord. Getragen wurde die Rally von starken Ergebnissen großer Tech-Unternehmen wie NVDA (+16,9 %) und META (+14 %) sowie einer etwas moderateren Tonlage der US-Notenbank und neuem Optimismus in der Handelspolitik. Dies geschah trotz anhaltender geopolitischer und innenpolitischer Unsicherheiten.
Mit Beginn der Berichtssaison steht nun die nächste Bewährungsprobe bevor: Analysten erwarten für 2025 ein Gewinnwachstum von 7,1 % bei den S&P-500-Unternehmen, mit noch stärkeren Zuwächsen im Jahr 2026. Diese Prognosen werden sich in den kommenden Wochen an den Q2-Ergebnissen messen lassen müssen. Während US-Aktien ihre Lücke zu Europa verringerten, blieben europäische Märkte im Juni zurück – kein großer Index schloss im Plus. Hauptgrund waren geopolitische Spannungen, insbesondere nach dem Angriff Israels auf den Iran. Die frühere Outperformance Europas gegenüber den USA hat sich damit deutlich abgeschwächt.
Obwohl der Eurostoxx 600 seit Jahresbeginn noch rund 6,6 % im Plus liegt, holt der S&P 500 mit 5,5 % deutlich auf. Die wirtschaftliche Realität in Europa hinkt jedoch hinterher: Die EU-Kommission hat ihre Wachstumsprognosen gesenkt, unter anderem wegen neuer Zollandrohungen von Ex-Präsident Trump. Zudem zeigt eine aktuelle Umfrage der Kommission, dass das Vertrauen von Konsumenten und Unternehmen im Juni sowohl in der EU als auch in der Eurozone gesunken ist.


Trotz der jüngsten Rückschläge bleibt der Ausblick für europäische Aktien insgesamt positiv. Die Anlegerstimmung ist weiterhin konstruktiv – gestützt durch attraktive Bewertungen (der Stoxx 600 wird mit dem 13,5-Fachen der erwarteten Gewinne gehandelt, verglichen mit dem 20,4-Fachen in den USA), starke Mittelzuflüsse und sich verbessernde makroökonomische Rahmenbedingungen.
Auch die asiatischen Märkte verzeichneten im Juni eine starke Entwicklung und damit den dritten Monat in Folge mit Kursgewinnen. Die meisten großen Indizes der Region schlossen im Plus. Technologieorientierte Märkte schnitten besonders gut ab, wobei Südkoreas Kospi nach der Wahl eines wirtschaftsfreundlichen Präsidenten hervorstach. Der MSCI Asia Pacific ex Japan legte um 5,3 % zu, während Japans Nikkei 225 mit einem Plus von 6,6 % den breiteren Topix-Index (+1,1 %) deutlich übertraf. In Großchina führten Bankaktien in Shanghai und Hongkong eine breitere Markterholung an.
Anleihen
Nach den inflationsbedingten Schocks durch die COVID-19-Pandemie und den Krieg in der Ukraine hat sich die globale Inflation inzwischen weitgehend stabilisiert – vor allem dank entschlossener Maßnahmen der Zentralbanken weltweit. Nach Jahren aggressiver Zinserhöhungen ist die Teuerung in den meisten Ländern unter Kontrolle. Prognosen zufolge wird die globale Inflation 2025 zum dritten Mal in Folge sinken und etwa 3 % erreichen. Selbst neue Importzölle oder temporäre Energiepreisspitzen dürften diesen Trend kaum stören.
Die Geldpolitik befindet sich daher im Wandel: Immer mehr Zentralbanken wechseln von einer restriktiven zu einer unterstützenden Haltung. Seit Jahresbeginn haben rund 80 % der weltweit wichtigsten Zentralbanken die Zinsen gesenkt – so viele wie seit fünf Jahren nicht mehr. Auch die US-Notenbank Fed, die ihren Leitzins seit Dezember bei 4,25 % bis 4,50 % belässt, wird voraussichtlich folgen. Märkte und Fed-Signale deuten auf zwei Zinssenkungen bis Jahresende hin. Die Renditen von US-Staatsanleihen sind bereits gefallen – die 2-jährige liegt wieder unter 3,75 %, die 10-jährige unter 4,25 %. Dies deutet auf eine veränderte Anlegerstimmung hin, möglicherweise ausgelöst durch Zinssenkungserwartungen, schwächere Inflationsdaten oder geopolitische Unsicherheiten.
Auch die Renditen deutscher Staatsanleihen sind betroffen: Die 10-jährige liegt aktuell bei etwa 2,55 % und könnte kurzfristig auf rund 2,3 % sinken – auch wenn die US-Zinsen hoch bleiben. Dieses Abweichen vom üblichen Muster könnte auf eine Verschiebung der Anlegerpräferenzen weg vom US-Dollar und hin zu europäischen Anleihen hindeuten. Langfristig wird ein moderater Renditeanstieg erwartet, getrieben durch eine leichte Konjunkturerholung und anhaltend hohe Haushaltsdefizite in Deutschland. Dennoch dürften die Renditen mittelfristig unter 2,90 % bleiben.
Rohstoffe & Währungen
Das jüngste Verhalten der Ölpreise hat viele Anleger überrascht – besonders angesichts der angespannten geopolitischen Lage. Zwar liegen die Preise im Monatsvergleich noch im Plus, doch die Rally war nur kurz und eher verhalten. Mitte Juni stiegen die Preise zunächst, gaben dann aber den Großteil der Gewinne wieder ab – noch bevor Ex-Präsident Trump einen Waffenstillstand verkündete. Ein Schlüsselmoment war der iranische Angriff auf eine US-Militärbasis in Katar. Obwohl dies eine Eskalation hätte bedeuten können, fielen die Ölpreise an diesem Tag um 7 %. Das deutet darauf hin, dass der Markt den Angriff als symbolisch und kontrolliert einstufte – nicht als ernsthafte Bedrohung für die globale Ölversorgung. Der Iran vermied es, die Straße von Hormus zu blockieren – eine zentrale Transportroute für Öl –, da dies die eigenen Exporte gefährdet und internationale Reaktionen provoziert hätte.
Neben geopolitischen Faktoren spielen auch die Marktmechanismen eine Rolle: Während weltweit rund 100 Millionen Barrel Öl pro Tag verbraucht werden, werden an den Finanzmärkten täglich über 6 Milliarden Barrel gehandelt. Das bedeutet, dass Spekulation – insbesondere durch Hedgefonds und Vermögensverwalter – die Preise stärker beeinflusst als das tatsächliche physische Angebot und die Nachfrage. Fehlen fundamentale Käufer oder Verkäufer, können Liquiditätslücken zu starken Preisschwankungen führen. Da die Ölflüsse aktuell nicht gestört sind und Israel sowie Iran einem temporären Waffenstillstand zugestimmt haben, sinkt das unmittelbare Angebotsrisiko. Der Rückgang des Brent-Preises deutet darauf hin, dass sich die Risikoprämie verringert. Sollte der Waffenstillstand halten, könnten die Preise weiter nachgeben. Viele Analysten erwarten bis Jahresende ein Überangebot am Ölmarkt, was zusätzlichen Druck auf die Preise ausüben dürfte.
Anleger scheinen sich allmählich vom US-Dollar abzuwenden und zeigen zunehmendes Interesse am Euro. Diese Entwicklung wird durch die wachsende wirtschaftliche und militärische Zusammenarbeit europäischer Staaten gestützt, die langfristig mehr euro-denominierte Investitionsmöglichkeiten schaffen dürfte. Dennoch bleibt der Euro-Anleihemarkt im Vergleich zum Dollar relativ klein und kann derzeit nicht das Volumen aufnehmen, das bei einem Rückgang des Dollar- Reservenstatus verkauft würde. Der Euro ist daher noch nicht bereit, den Dollar als weltweite Leitwährung abzulösen. Allerdings könnte schon eine moderate Reduzierung der Dollar-Bestände den Euro deutlich aufwerten. Kurzfristig wird ein Anstieg des EUR/USD-Kurses in Richtung 1,20 erwartet, wobei zuvor eine technische Korrektur auf etwa 1,12 wahrscheinlich ist. Mittelfristig könnte der Euro sogar auf 1,25–1,30 steigen – getragen von veränderten Kapitalflüssen und wachsendem Anlegervertrauen.
Kurzfristig dürfte der Schweizer Franken gegenüber dem Euro unterdurchschnittlich abschneiden – und möglicherweise auch gegenüber dem US-Dollar. Hauptgrund ist die erwartete Fortsetzung der lockeren Geldpolitik durch die Schweizerische Nationalbank (SNB), während die Europäische Zentralbank (EZB) sich dem Ende ihres Zinssenkungszyklus nähert. Diese geldpolitische Divergenz könnte den Zinsvorteil des Euro vergrößern und den Franken für Anleger weniger attraktiv machen.


Das birgt kurzfristig Abwertungsrisiken. Langfristig bleibt der Franken jedoch gut unterstützt – durch solide Fundamentaldaten wie einen stabilen Leistungsbilanzüberschuss, positive Einkommensbilanzen und starke Direktinvestitionen. Sobald sich die geldpolitischen Unterschiede angleichen, dürfte der Franken wieder auf einen moderaten Aufwertungspfad zurückkehren.