Anlageausblick Juni 2021

Die Erholung von der Corona-Pandemie gewinnt weiter an Fahrt, verzeichnet doch das globale Wachstum im Zuge der Wiedereröffnung der Volkswirtschaften eine fortgesetzte Beschleunigung. Die Anleger sind zwar weniger besorgt über COVID-19 als noch vor einigen Monaten, es stehen aber bereits neue Befürchtungen im Raum. Eine sprunghaft anziehende Inflation, insbesondere in den USA, schürt nämlich Ängste, dass die Zentralbanken früher als erwartet damit beginnen könnten, ihre Stimuli zurückzufahren.

In der folgenden Tabelle stellen wir unsere Sicht auf die wichtigsten Anlageklassen dar:

Übersicht Marktmeinungen

 sehr unattraktivunattraktiv        neutral               attraktiv         sehr attraktiv    
 
Festverzinsliche     
  Staat     
  Unternehmen     
  Hochverzinsliche     
  Schwellenländer     
  Wandler     
 
Aktien     
  Vereinigte Staaten     
  Eurozone     
  Grossbritannien     
  Schweiz     
  Japan     
  Schwellenländer     
 
Wechselkurse     
  EURUSD     
  USDCHF     
  EURCHF     
  Schwellenländer     

Die Begriffe attraktiv / unattraktiv beschreiben das Renditepotenzial der verschiedenen Anlageklassen. Eine Anlageklasse gilt als attraktiv, wenn ihre erwartete Rendite über der lokalen Cash-Rate liegt. Sie gilt als unattraktiv, wenn die erwartete Rendite negativ ist. Sehr attraktiv / sehr unattraktiv bezeichnen die Einschätzungen des BENDURA Anlagekomitees mit der höchsten Überzeugung. Der Zeithorizont für diese Einschätzungen beträgt 3-6 Monate.

Festverzinsliche

Staatsanleihen

Wir sehen Staatsanleihen nach wie vor als unattraktiv an, da die Benchmarkrenditen weiter steigen dürften. Die fortgesetzte fiskalpolitische Unterstützung, Impfprogramme und die Wiederöffnung der Wirtschaft in vielen Regionen werden die erwartete Konjunkturerholung weiter stärken. Dies dürfte die langfristigen globalen Renditen stützen. Da die Fed jetzt ein durchschnittliches Inflationsziel anpeilt, bleiben kurzfristige Anleihen unserer Meinung nach trotz der Konjunkturerholung und der steigenden Preise verankert. Allerdings besteht auch das Risiko einer grösseren geldpolitischen Unsicherheit, vor allem falls die Inflation anhaltend höher ausfallen sollte als prognostiziert. Wir bekräftigen unsere Präferenz für Short-Duration-Strategien in der Eurozone und der Schweiz. In den USA bevorzugen wir nach der massiven Neubewertung Anfang des Jahres nun das mittelfristige Segment (im Bereich von 5 Jahren). Trotz der erhöhten Breakeven-Inflationsraten ziehen wir inflationsgebundene Anleihen gegenüber Nominalanleihen vor.

IG-Unternehmensanleihen

Die Spreads von IG-Anleihen verharren auf historischen Tiefständen und bieten in unseren Augen keine ausreichende Kompensation für die Risiken, insbesondere im Hinblick auf einen weiteren Anstieg der Benchmarkrenditen. Der zyklische Hintergrund ist immer noch vorteilhaft, aber in den Spreads weitgehend berücksichtigt. Die Fed hat begonnen, ihre Positionen in Unternehmensanleihen zu verkaufen. Wegen der relativ geringen Mengen dürfte dies jedoch nur begrenzte Auswirkungen haben. In den kommenden Monaten dürfte sich das Angebot verlangsamen, was eine stärkere Aktivität an den Sekundärmärkten unterstützen könnte. Die Spreads sind aber immer noch historisch eng und die Zinssätze werden voraussichtlich noch etwas nach oben tendieren. Daher dürften die Gesamtertragsaussichten mit Barpositionen vergleichbar sein. In Europa, wo die Impfprogramme zuletzt schneller vorankommen und eine potenzielle Konjunkturerholung ansteht, bieten europäische Hybridtitel, deren Spreads weniger teuer sind bei US-Werten und europäischen IG-Anleihen, immer noch eine bessere Werthaltigkeit.

High-Yield-Anleihen

Bei High-Yield-Anleihen erwarten wir keine attraktiven Carry-Renditen mehr. Unseres Erachtens nehmen die gegenwärtigen teuren Spreads von HY-Anleihen aus Industrieländern die Erholung der Fundamentaldaten der Unternehmen und den wahrscheinlichen Höhepunkt der Ausfallrate im Jahr 2021 bereits weitgehend vorweg. Innerhalb HY-Anleihen favorisieren wir weiterhin Coco-Bonds.

Emerging-Market-Anleihen

Wir halten an einer neutralen Einschätzung von Schwellenländeranleihen in Hartwährungen fest. Dabei berücksichtigen wir die fehlende Werthaltigkeit nach der starken Spreadverengung im Anschluss an den Abverkauf vom März. Von den technischen Faktoren dürfte künftig eine geringere Unterstützung ausgehen, da sich die Zuflüsse von institutionellen und privaten Anlegern verlangsamt haben, während das Angebot an Anleihen steigt. Das fundamentale Bild hat sich nicht wesentlich verändert. Die Inflation bleibt ein kurzfristiges Risiko, doch die meisten Zentralbanken der Schwellenländer haben ihre Geldpolitik angepasst, um die Auswirkungen des Preisdrucks auf die Inflationserwartungen abzufangen.

Ausgewählte Indices Festverzinslicher, YTD. Quelle: Bloomberg

Aktien

Wir beurteilen globale Aktien nach wie vor als attraktiv. Das kräftige Wachstum dürfte auf mittlere Sicht ein positiver Treiber für Aktien bleiben. Und nach den USA beschleunigt das Wachstum jetzt auch in Europa, da die Impffortschritte und die rückläufigen Infektionszahlen die Wiederöffnung der Wirtschaft ermöglichen. Dies dürfte zu einem weiteren starken Gewinnwachstum führen. Unsere taktischen Stimmungs- und Positionierungsindikatoren deuten aber immer noch auf eine erhöhte Selbstzufriedenheit der Anleger hin. Dies lässt auf ein höheres Abwärtsrisiko in Bezug auf Nachrichten schliessen. Wir gehen daher nicht zu einer direkten Übergewichtung von Aktien in den Portfolios über sondern bleiben bei einer neutralen Quote.

Zu den bedeutendsten Risiken für globale Aktien zählen unter anderem unerwartet frühe Andeutungen von Zentralbanken über eine Drosselung, die Steuererhöhungspläne der Regierung Biden, die die Gewinne belasten dürften, sowie nachteilige Entwicklungen im Zusammenhang mit COVID-19, wie etwa weitere Mutationen oder schleppende Impffortschritte. Nicht zuletzt gehen auch von der Geopolitik Risiken aus.

Industrieländeraktien

Von Industrieländeraktien erwarten wir attraktive Erträge und bevorzugen britische und deutsche Aktien. Britische Aktien weisen attraktive Bewertungen und ansprechende Dividendenpolster auf und profitieren zudem von einer vorteilhaften Sektorzusammensetzung. Deutsche Aktien bieten weiteres Erholungspotenzial, da sich die Zyklizität des Marktes mit Qualität paart.

Auf der Sektorebene favorisieren wir den Grundstoffsektor und Finanzwerte, während wir Basiskonsumgüter und börsennotierte Immobilien am wenigsten bevorzugen. Grundstoffaktien bieten ansprechende Fundamentaldaten und dürften von Infrastrukturinvestitionen profitieren. Finanzwerte haben noch Aufholpotenzial, da sie immer noch attraktiv bewertet sind und ein bedeutender Nutzniesser der wirtschaftlichen Beschleunigung und eines weiteren Renditeanstiegs sein dürften.

Aktien aus Schwellenländern

Von Aktien aus Schwellenländern (EM) erwarten wir weiterhin attraktive Renditen. Im Portfoliokontext halten wir die Allokation jedoch auf den strategischen Niveaus, da sich der Marktfokus kurzfristig auf die steigende Inflation und Kommentare über eine Drosselung der Zentralbanken richtet. Die wesentlichen Risiken für unsere attraktive Einschätzung von EM-Aktien sind ein stärkerer USD, eine abrupte Verschärfung der Finanzierungsbedingungen, schleppende Fortschritte bei den Impfungen und eine Eskalation der Spannungen zwischen den USA und China.

Ausgewählte Aktienindices, YTD. Quelle: Bloomberg

Währungen

Der USD ist im letzten Monat hinter den meisten Industrieländerwährungen zurückgeblieben. Wir rechnen mit einer weiteren Schwäche gegenüber zyklischen und Rohstoffwährungen. Am anderen Ende des Spektrums könnten Niedrigzinswährungen zunehmend als Finanzierungswährungen genutzt werden. Daher bleibt unsere Einschätzung neutral. Unter dem Strich resultiert dies auch in einer neutralen Einschätzung des USD.

Der Impfvorsprung der USA schrumpft und die relativen Datenüberraschungen deuten auf eine USD-Schwäche hin. Dies liegt auch an den erhöhten Konsenserwartungen für die USA. Eine restriktivere Fed wäre ein bedeutender positiver Faktor für den USD. Andererseits könnte der USD angesichts der globalen Reflation durch seine antizyklischen Eigenschaften belastet werden. Aufgrund dieser Argumente bleiben wir bei einer neutralen Beurteilung von EUR, CHF und JPY (gegen USD).

Wir bevorzugen weiterhin Währungen mit hohem Beta, die von den Rohstoffpreisen profitieren, wie CAD, NZD und NOK.

Wir ändern unsere positive Einschätzung des GBP auf Neutral, da weitere positive Impulse fehlen.

Wir erkennen noch Spielraum für eine breite Aufwertung von Schwellenländerwährungen gegenüber dem USD. Trotz unserer neutralen Prognose für den USD DXY sehen wir das zyklische Engagement, das Schwellenländerwährungen bieten, nach wie vor als attraktiv an.

Die weltweite gesamtwirtschaftliche Lage und die guten Aussenhandelsbilanzen der Schwellenländer gegenüber den US dürften die Anlageklasse gut stützen. Ausserdem erkennen wir zunehmende Anzeichen, dass die Inflation in den Schwellenländern in den kommenden Monaten den Höhepunkt erreichen könnte. Im Augenblick dürften die Zentralbanken der Schwellenländer bei ihrer restriktiven Haltung bleiben, um die Inflationserwartungen weiter zu stabilisieren. Dies dürfte Schwellenländerwährungen zugutekommen.

Der CNY und der KRW sind unsere bevorzugten Währungen.

EURUSD Wechselkurs, YTD. Quelle: Bloomberg

Kontaktpersonen

Ähnliche Beiträge