Anlageausblick Mai 2026

Trotz geopolitischer Spannungen: Aktienmärkte auf Rekordkurs Der April war geprägt von sich rasch ändernden Schlagzeilen …

Overview

Trotz geopolitischer Spannungen: Aktienmärkte auf Rekordkurs

Der April war geprägt von sich rasch ändernden Schlagzeilen rund um den Iran‑Konflikt, doch die Finanzmärkte zeigten sich bemerkenswert unbeeindruckt. Trotz anhaltender Spannungen, unterbrochener Energieengpässe und wiederholter Drohungen im Zusammenhang mit der Straße von Hormus entschieden sich die meisten Investoren, das geopolitische Rauschen weitgehend auszublenden. Selbst das, was als größter globaler Energieschock der Geschichte bezeichnet wurde, konnte die Risikobereitschaft nicht nachhaltig beeinträchtigen. Die US‑Aktienmärkte erholten sich nicht nur von den anfänglichen Belastungen, sondern stiegen wieder über das Vorkrisenniveau hinaus.

Der Monat begann optimistisch mit der Ankündigung einer zweiwöchigen Waffenruhe zwischen dem Iran und den Vereinigten Staaten. Dies löste eine kräftige Rallye bei Risikoanlagen aus und führte zu einem der größten Tagesrückgänge der Rohöl‑Futures in der Geschichte. Der Optimismus wurde jedoch schnell auf die Probe gestellt. Bereits am ersten Tag der Waffenruhe kam es erneut zu Angriffen auf kritische saudische Energieinfrastruktur, zu einer Intensivierung der israelischen Luftschläge und zur erneuten Schließung der Straße von Hormus durch den Iran. Die diplomatischen Signale schwankten im weiteren Monatsverlauf erheblich, und die Frage, ob wichtige Schifffahrtsrouten offen oder geschlossen waren, änderte sich teils von Tag zu Tag. Von einem nachhaltigen Frieden zu sprechen, erwies sich als verfrüht.

Warum stiegen die Märkte dennoch weiter, trotz dieser fragilen Lage? Ein wesentlicher Treiber ist die anhaltende Dominanz von Aktien aus dem Bereich der künstlichen Intelligenz. Abgesehen von den KI‑fokussierten „Magnificent Seven“ – Alphabet, Amazon, Apple, Meta, Microsoft, Nvidia und Broadcom – trat der breite S&P‑500‑Index faktisch auf der Stelle. Diese wenigen Titel tragen den gesamten Markt, da Investoren weiterhin bereit sind, nahezu alles zu kaufen, was mit KI in Verbindung gebracht wird, selbst wenn die fundamentale Bewertung unsicher ist. Gleichzeitig hat sich die Marktbreite deutlich verschlechtert: Weniger als die Hälfte der S&P‑500‑Titel notiert in der Nähe ihrer jüngsten Höchststände, und die sektorale Beteiligung wird zunehmend schmaler.

Da eine geopolitische Lösung weiterhin in weiter Ferne liegt, stützen sich Investoren verstärkt auf Unternehmensgewinne zur Verunsicherung – und bislang liefern diese überzeugend. Die laufende Berichtssaison entwickelt sich, trotz Schwächen in Teilen des Softwaresektors, zu einer der stärksten seit Jahren. Die Märkte konzentrieren sich klar auf Gewinne und Liquiditätsströme, was ihre Widerstandsfähigkeit gegenüber einem anhaltenden Konflikt und höheren Ölpreisen erklärt. Auch wenn die alte Börsenweisheit „Sell in May and go away“ verlockend klingt, spricht die historische Erfahrung dagegen: In den vergangenen zehn Jahren fielen die Renditen von Mai bis Oktober insgesamt solide aus, wobei insbesondere der Mai und der Juli häufig zu den stärkeren Monaten zählten.

Our investment policy

Die Begriffe attraktiv / unattraktiv beschreiben das Renditepotenzial der verschiedenen Anlageklassen. Eine Anlageklasse gilt als attraktiv, wenn ihre erwartete Rendite über der lokalen Cash-Rate liegt. Sie gilt als unattraktiv, wenn die erwartete Rendite negativ ist. Sehr attraktiv / sehr unattraktiv bezeichnen die Einschätzungen des BENDURA Anlagekomitees mit der höchsten Überzeugung. Der Zeithorizont für diese Einschätzungen beträgt 3-6 Monate.

Global Economy

USA

Die im April veröffentlichten Konjunkturdaten deuten darauf hin, dass die US‑Wirtschaft weiterhin widerstandsfähig ist, auch wenn sich das Momentum allmählich abschwächt. Die Lage am Arbeitsmarkt blieb insgesamt solide, wenngleich sich das Beschäftigungswachstum gegenüber dem starken Tempo im März verlangsamt hat. Der Zuwachs bei den Beschäftigtenzahlen lag bei rund 140.000 Stellen und entsprach damit weitgehend einer Normalisierung nach der kräftigen Expansion des Arbeitsmarktes im vergangenen Jahr. Die Arbeitslosenquote verharrte bei 4,3 %, was darauf hindeutet, dass die Arbeitskräftenachfrage zwar nachlässt, Entlassungen jedoch weiterhin begrenzt bleiben. Das Beschäftigungswachstum wurde erneut vor allem vom Gesundheitswesen und dem Baugewerbe getragen, während die Einstellungsbereitschaft im Einzelhandel und im Freizeit‑ und Gastgewerbe Ermüdungserscheinungen zeigte – ein Spiegelbild der nachlassenden Konsumnachfrage.

Der Inflationsdruck blieb erhöht und wurde vor allem durch steigende Energiepreise getragen. Die Benzinpreise zogen im April spürbar an, wobei die durchschnittlichen Preise an den Zapfsäulen in mehreren US-Bundesstaaten die Marke von 4 US‑Dollar pro Gallone überschritten. Das hohe Ölpreisniveau wirkte weiter auf Transport, Logistik und bestimmte Dienstleistungsbereiche und verstärkte damit kurzfristige Inflationssorgen. Verbraucherumfragen zeigten steigende Inflationserwartungen, insbesondere im Hinblick auf Treibstoff‑ und Energiekosten, was im weiteren Jahresverlauf das Risiko höherer Lohnforderungen birgt. Die Kerninflation verbesserte sich kaum und unterstreicht damit anhaltende Preisspannungen über den Energiesektor hinaus. Mit Blick auf das Wachstum signalisieren die BIP‑Indikatoren weiterhin eine Expansion, wenn auch in moderatem Tempo. Die jüngsten Schätzungen gehen nach wie vor von einem US‑Wachstum von rund 2,3 % bis 2,5 % im Jahr 2026 aus, gestützt durch eine stabile Beschäftigungslage und robuste Unternehmensinvestitionen. Gleichzeitig beginnen jedoch hohe Inputkosten und restriktivere Finanzierungsbedingungen, die Gewinnmargen in energieintensiven Sektoren zu belasten. Zudem erscheint das reale Wachstum der Konsumausgaben zunehmend anfällig gegenüber steigenden Lebenshaltungskosten.

Europa

Die europäischen Konjunkturdaten zeichnen das Bild eines fragilen makroökonomischen Umfelds, das von steigender Inflation, divergierenden Entwicklungen an den Arbeitsmärkten und einem gedämpften Wachstumsmomentum geprägt ist. Die Arbeitslosenquote im Euroraum liegt bei 6,2 % und damit leicht unter dem Vormonatswert, was weiterhin auf eine gewisse Robustheit des Arbeitsmarktes hindeutet. Unter der Oberfläche haben sich die Bedingungen in einigen Schlüsselökonomien jedoch verschlechtert. Besonders deutlich zeigt sich dies in Deutschland, wo die Arbeitslosenquote auf 6,4 % gestiegen ist und zunehmenden Druck auf energieintensive sowie exportorientierte Sektoren widerspiegelt. Zwar hat Deutschland ambitionierte fiskalische Maßnahmen angekündigt, um das Wachstum wieder anzukurbeln, doch die Auswirkungen des US‑Iran‑Konflikts – insbesondere die erhöhten Energiepreise und Europas anhaltende Abhängigkeit von Energieimporten – haben ihre Wirksamkeit bislang begrenzt und die wirtschaftliche Aktivität belastet.

Der Inflationsdruck hat sich im vergangenen Monat spürbar verstärkt. Die Verbraucherpreisinflation im Euroraum stieg im April auf 3,0 % gegenüber dem Vorjahr, nach 2,6 % im März, und liegt damit klar über dem Zielwert der Europäischen Zentralbank. Treiber dieser Beschleunigung waren vor allem deutlich gestiegene Energiepreise: Die Kosten für Öl und Gas lagen rund 11 % über dem Vorjahresniveau und wirkten sich zunehmend auf Transport, Produktion und Verbraucherpreise aus. Die Wachstumsdynamik bleibt schwach. Das Bruttoinlandsprodukt des Euroraums wuchs im ersten Quartal 2026 lediglich um 0,1 % gegenüber dem Vorquartal und unterstreicht damit ein nahezu stagnierendes Umfeld. Deutschland, Italien und das Vereinigte Königreich sehen sich erheblichen Abwärtsrisiken für das BIP gegenüber, da hohe Gaspreise eine zentrale Rolle in ihren Stromsystemen spielen, die Inflation verstärken und das Wachstum belasten.

Asien

Wie in vielen anderen Ländern weltweit haben auch in Japan die Inflationsrisiken zuletzt zugenommen. Die Gesamtinflation stieg auf 1,5 % gegenüber dem Vorjahr, während die Kerninflationsrate 1,8 % erreichte. Haupttreiber waren höhere Energie‑ und Transportkosten infolge des Iran‑Konflikts sowie anhaltend hoher Ölpreise. Auch wenn die Inflation weiterhin unter dem Zielwert der Bank of Japan von 2 % liegt, deuten vorausschauende Indikatoren und offizielle Prognosen auf zunehmende Aufwärtsrisiken hin, sofern die Energiepreise auf erhöhtem Niveau verbleiben. Das wirtschaftliche Wachstum zeigt sich unterdessen verhalten. Die japanische Wirtschaft verzeichnete im ersten Quartal 2026 ein Wachstum von rund 0,3 % gegenüber dem Vorquartal und vermied damit nur knapp eine Schrumpfung. Der Ausblick hat sich jedoch eingetrübt: Für das Gesamtjahr wird das BIP‑Wachstum inzwischen nur noch auf etwa 0,5 % bis 0,7 % geschätzt, da steigende Importkosten weiterhin die realen Haushaltseinkommen schmälern und die Gewinnmargen der Unternehmen unter Druck setzen.

Gleichzeitig hat die expansive Fiskalstrategie von Premierministerin Sanae Takaichi das Vertrauen der Investoren gestärkt und die Binnennachfrage gestützt. Maßnahmen zur Inflationsentlastung, Energiesubventionen, umfangreiche Konjunkturprogramme sowie Investitionen in wirtschaftliche Sicherheit, Verteidigung und Schlüsseltechnologien bilden zentrale Elemente dieser wachstumsorientierten Agenda. Der japanische Aktienmarkt setzte seinen starken Aufwärtstrend fort, getragen von der globalen Nachfrage nach KI‑ und Halbleiterwerten, Fortschritten bei der Corporate Governance sowie dem Vertrauen in die wirtschaftspolitische Ausrichtung der Regierung. Der Nikkei 225 erreichte im April neue Rekordstände und stieg auf nahezu 60.000 Punkte. Mit einem Zuwachs von über 70 % innerhalb der vergangenen zwölf Monate zählt Japan damit zu den weltweit erfolgreichsten großen Aktienmärkten.

Shares

US‑Aktien verzeichneten im April trotz des anhaltenden Krieges im Nahen Osten ihre stärkste Monatsperformance seit mehreren Jahren. Die wichtigsten US‑Indizes beendeten den Monat auf Rekordniveaus, da Investoren inflationsbedingte Sorgen infolge des Konflikts weitgehend ausblendeten und ihre Überzeugung bekräftigten, dass der KI‑Boom erhebliche Ertragspotenziale für große Technologieunternehmen freisetzen wird. Der S&P 500 erzielte seinen besten Monatsanstieg seit November 2020. Die Rallye wurde jedoch klar vom Technologiesektor getragen: Der Nasdaq Composite sprang um 15 % nach oben und markierte damit seinen stärksten Monat seit April 2020. Auch kleinere Unternehmen profitierten von der ausgeprägten Risikobereitschaft, sodass der Russell 2000 seine beste Monatsperformance seit Ende 2024 erzielte. Alle Mitglieder der „Magnificent Seven“ schlossen den Monat im positiven Bereich, wobei Alphabet (GOOGL) mit einem Plus von 33,9 % und Amazon (AMZN) mit einem Zugewinn von 27,3 % als stärkste Werte der Gruppe hervorstachen.

Auch wenn die Marktbewegung weiterhin stark konzentriert ist und entsprechende Risiken birgt, erscheint das Aufwärtspotenzial im Halbleitersektor noch nicht ausgeschöpft. Ein zentraler Stützpfeiler bleibt die hohe Visibilität der Gewinne: Chiphersteller zählen zu den unmittelbarsten Profiteuren des KI‑Booms und verfügen über erhebliche Preissetzungsmacht, da Hyperscaler im Wettbewerb um knappe Rechenkapazitäten stehen. Die Gewinnerwartungen für den Sektor wurden in den vergangenen Wochen deutlich nach oben revidiert, und da sich die Märkte langfristig an den Gewinnen orientieren, spiegeln sich diese Anpassungen inzwischen auch in den Aktienkursen wider. Trotz der deutlichen Bewertungsanhebungen im Zuge der Kursgewinne bleiben die Bewertungen insgesamt tragfähig, insbesondere bei Titeln, die zuletzt keinen parabolischen Kursanstieg verzeichnet haben. Selbst nach Kursgewinnen von mehreren hundert Prozent werden Teile des Sektors weiterhin mit einstelligen Kurs‑Gewinn‑Verhältnissen auf Sicht von zwölf Monaten gehandelt, was darauf hindeutet, dass die Rallye noch weiteres Potenzial haben könnte.

Die europäischen Aktienmärkte schlossen den April mit moderaten Gewinnen, getragen von einer zyklischen Führung wachstumsorientierter Sektoren wie Technologie, Finanzwerte und Industrie. Investoren zeigten sich vorsichtig optimistisch angesichts einer fragilen Waffenruhe im US‑Iran‑Konflikt, die bislang Bestand hatte. Gleichzeitig war der Monat von phasenweise erhöhter Volatilität geprägt, ausgelöst durch anhaltende Unsicherheiten rund um den Konflikt im Nahen Osten und dessen Auswirkungen auf Europa – insbesondere über höhere Energiepreise, steigende Inflationserwartungen und erhöhte politische Unsicherheit. Die Wertentwicklung innerhalb Europas fiel uneinheitlich aus: Der italienische FTSE MIB und der deutsche DAX führten die Region mit soliden Gewinnen an, während der britische FTSE 100 und der Schweizer SMI hinterherhinkten.

Der Technologiesektor erwies sich als klarer Outperformance‑Treiber. Der Stoxx 600 Technology Index stieg im April um 13,79 %. Unterstützt wurde die Entwicklung durch KI‑getriebene Investitionsausgaben sowie starke Halbleiterergebnisse von ASML, ASM International, STMicroelectronics und Soitec, ergänzt durch robuste Resultate im Softwarebereich, insbesondere bei SAP. Die anhaltende Stärke der US‑amerikanischen „Magnificent Seven“ im KI‑Umfeld verstärkte zudem positive Stimmungseffekte in Europa und untermauerte die allgemeine Risikobereitschaft an den regionalen Aktienmärkten.

Chart 1: Das Forward‑KGV und das Kurs‑Buchwert‑Verhältnis signalisieren eine sehr deutliche Unterbewertung der europäischen Märkte im Vergleich zu den USA. Quelle: LSEG Datastream  / ECR Research, www.ecrresearch.com
Chart 2: Der US‑Aktienmarkt gilt gemessen am sogenannten Buffett‑Indikator derzeit als deutlich überbewertet.
 Quelle: LSEG Datastream  / ECR Research, www.ecrresearch.com

Bonds

Die Rendite zehnjähriger US‑Staatsanleihen stieg im April leicht an und lag zum Monatsende bei rund 4,39 %, was einem Anstieg von etwa 5–10 Basispunkten gegenüber dem Niveau von Ende März entspricht. Die Renditen zeigten sich im Monatsverlauf volatil und reagierten auf die Entwicklungen im Nahen Osten, die erhöhten Energiepreise sowie anhaltende Inflationssorgen. Auch die Rendite 30‑jähriger US‑Staatsanleihen legte zu und schloss den April bei rund 4,98 %, rund 5–7 Basispunkte höher als zu Monatsbeginn. Langlaufende Renditen blieben insbesondere sensibel gegenüber steigenden Laufzeitprämien, Erwartungen hoher Treasury‑Emissionen und geopolitischen Risiken im Zusammenhang mit der Straße von Hormus, wobei die Anstiege geringer ausfielen als am kurzen Ende der Zinskurve.

Die US‑Notenbank beließ die Leitzinsen unverändert, doch die Sitzung offenbarte eine zunehmende Uneinigkeit über den zukünftigen geldpolitischen Kurs. Vier Mitglieder stimmten dagegen, darunter drei, die sich gegen die Formulierung in der Stellungnahme nach der Sitzung wandten, wonach Zinssenkungen zu einem späteren Zeitpunkt wieder aufgenommen werden könnten. Grundsätzlich sind Zentralbanken angehalten, inflationäre Effekte aus Angebotsschocks – etwa infolge geopolitischer Konflikte – zu durchschauen. Fed‑Vorsitzender Jerome Powell bestätigte zudem, dass er beabsichtigt, dem Board of Governors auch nach seinem Rücktritt als Chairman weiterhin anzugehören. In der Konsequenz entsteht beim Amtsantritt von Kevin Warsh kein vakantes Gremiumssitz für einen ausgesprochen expansiv ausgerichteten Interimskandidaten von Präsident Trump, Stephen Miran. Kurzfristig impliziert dies ein etwas restriktiver zusammengesetztes Federal Open Market Committee, als es ansonsten der Fall gewesen wäre. Insgesamt dürfte es der Institution zugutekommen, dass Powell dem Gremium erhalten bleibt, anstatt sich vollständig aus dem öffentlichen Dienst zurückzuziehen.

In Die europäischen Staatsanleihemärkte gerieten im April erneut unter Druck. Die Rendite zehnjähriger deutscher Bundesanleihen stieg um rund 40 Basispunkte und lag zum Monatsende nahe 3,0 %. Die Renditen französischer zehnjähriger Staatsanleihen legten noch stärker zu und erhöhten sich um etwa 45–50 Basispunkte auf rund 3,7 %. Haupttreiber dieser Entwicklung waren die stark gestiegenen Energiepreise im Zusammenhang mit dem Konflikt im Nahen Osten, die die Inflation im Euroraum wieder in Richtung 3 % gedrückt und Befürchtungen eines anhaltenderen Inflationsschocks geschürt haben. Vor diesem Hintergrund haben sich die Markterwartungen an die Geldpolitik der EZB deutlich verschoben: Investoren preisen inzwischen mit hoher Wahrscheinlichkeit (rund 76 %) eine Leitzinsanhebung um 25 Basispunkte auf der EZB‑Sitzung im Juni ein, da die Währungshüter der Glaubwürdigkeit im Kampf gegen die Inflation Vorrang vor kurzfristigen Wachstumssorgen einräumen. Für den Anlageausblick deutet die Kombination aus steigenden Staatsanleiherenditen, erneuten Laufzeitprämien und einer restriktiveren Haltung der EZB auf straffere Finanzierungsbedingungen hin – verbunden mit anhaltender Volatilität bei zinssensitiven Anlagen und einer höheren Eintrittshürde für Durationsrisiken in europäischen Portfolios.

Nach Einschätzung vieler Investoren bilden derzeit die sogenannten „BIFs“ – Großbritannien, Italien und Frankreich – die neue Problembankengruppe an Europas Staatsanleihemärkten. Seit Ausbruch des Nahost‑Konflikts am 28. Februar verzeichneten diese Länder die stärksten Anstiege der Finanzierungskosten unter den großen europäischen Anleihemärkten. Selbst nach einer teilweisen Gegenbewegung liegen die Renditen zehnjähriger britischer und italienischer Staatsanleihen weiterhin mindestens 50 Basispunkte höher, während die französischen Renditen um rund 46 Basispunkte gestiegen sind. Zum Vergleich: Die Renditen zehnjähriger Bundesanleihen legten im gleichen Zeitraum um etwa 39 Basispunkte zu.

Commodities & Currencies

Vor dem Hintergrund bereits angespannter globaler Kupferlagerbestände deutet der mittel‑ bis langfristige Ausblick auf eine zunehmende Diskrepanz zwischen Angebot und Nachfrage hin. Die rasche Elektrifizierung, der Ausbau erneuerbarer Energien sowie massive Investitionen in die Stromnetzinfrastruktur dürften den Kupferverbrauch stetig ansteigen lassen, während die Minenproduktion und das Recycling voraussichtlich nicht Schritt halten können. Prognosen zufolge könnte die Nachfrage bis Mitte der 2030er‑Jahre das verfügbare Angebot um mehrere Millionen Tonnen übersteigen. Zwar erhöhen die gestiegenen Preise wieder die Attraktivität neuer Bergbauprojekte, doch die meisten dieser Vorhaben sind nur bei nachhaltig deutlich höheren Kupferpreisen – über dem aktuellen Niveau – wirtschaftlich tragfähig. In der Summe spricht das Risikoprofil daher weniger für eine spürbare Preiskorrektur als vielmehr für einen weiteren, wenn auch graduellen, Preisanstieg im Verlauf des kommenden Jahres.

Am Ölmarkt zeigte sich bis Ende April eine ausgeprägte Backwardation, was auf erhebliche kurzfristige Angebotsengpässe und einen intensiven Wettbewerb um sofort verfügbare Lieferungen hindeutet. Zwar gaben die Preise Anfang Mai im Zuge erster Anzeichen einer vorsichtigen geopolitischen Entspannung leicht nach, doch die Entwicklungen im April verdeutlichten die hohe Sensitivität des Marktes gegenüber geopolitischen Risiken. Trotz der leichten Entspannung blieb zum Monatsende ein signifikanter Risikoaufschlag in den Preisen enthalten. Dieser reflektiert die anhaltende Unsicherheit über das Tempo, mit dem gestörte Energieflüsse wiederhergestellt werden können, und spricht für eine weiterhin erhöhte Volatilität in den kommenden Monaten.

Der Konflikt im Nahen Osten hat zudem eine neue Verwundbarkeit in der globalen Halbleiter‑Lieferkette offengelegt, indem er die Versorgung mit Helium beeinträchtigt hat. Angriffe auf die Energieinfrastruktur in Katar führten zu einem Stopp der Erdgasförderung und unterbrachen damit schätzungsweise 30 bis 40 % der weltweiten Heliumproduktion, da Helium als Nebenprodukt bei der Gasförderung gewonnen wird. In der Folge sahen sich große Anbieter, darunter Air Liquide, gezwungen, für bestimmte Kunden höhere Gewalt (Force Majeure) geltend zu machen. Die Situation ist besonders sensibel, da Helium nur schwer zu lagern und zu transportieren ist und extreme Kühlung sowie spezialisierte Behälter erfordert, was eine strikte Priorisierung der Lieferungen notwendig macht. Obwohl Helium nur einen geringen Anteil an den Gesamtkosten der Halbleiterproduktion ausmacht, ist es für fortschrittliche Fertigungsprozesse wie die EUV‑Lithografie unverzichtbar. Wie bei früheren Engpässen ist zu erwarten, dass Chipproduzenten und medizinische Einrichtungen bevorzugt versorgt werden.

Der US‑Dollar erhält Unterstützung durch die verbesserte Stimmung an den US‑Aktienmärkten sowie durch die relative Abschirmung der US‑Wirtschaft gegenüber steigenden Energiekosten. Auch wenn die jüngste Einengung der Zinsdifferenzen zwischen den USA und anderen Währungsräumen auf den ersten Blick als Belastungsfaktor für den Dollar erscheinen mag, messen wir diesem Aspekt im aktuellen Umfeld eine geringere Bedeutung bei. In energieimportierenden Regionen wie Europa und Teilen Asiens werden steigende Zinserwartungen zunehmend als potenzielle Belastung für das ohnehin fragile Wachstum wahrgenommen, anstatt als positiver Impuls für die jeweilige Währung. Sollte die Straße von Hormus kurzfristig wieder geöffnet werden, könnte die Nachfrage nach dem US‑Dollar als sicherem Hafen nachlassen und temporär zu einer Schwäche führen. Eine solche Bewegung dürfte jedoch kaum von Dauer sein, da sich der Fokus der Märkte voraussichtlich rasch auf die Aussicht auf Zinssenkungen außerhalb der USA verlagern würde, die der Abfederung einer weiteren konjunkturellen Abschwächung dienen sollen – ein Umfeld, das den US‑Dollar letztlich erneut stützen dürfte.

Chart 3: Historical EUR/USD changes. Source: LSEG Datastream  / ECR Research, www.ecrresearch.com